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Hallengesichter und ihre Kochbücher (5)

Hallengesichter und ihre Kochbücher (5)

Elisabeth Berlinghof (Food Kompanions)
Über Olga Graf kam sie erst zum Stadt Land Food Festival und dann zu den Food Kompanions, die seit letztem Jahr ihre Büroräume bei uns der Markthalle Neun haben. Als Bohnen-Botschafterin fiel ihr die Kochbuchwahl nicht schwer: Cool Beans von dem amerikanischen Autor Joe Yonan! "Dieses Buch zeigt, wie unglaublich vielfältig man mit Hülsenfrüchten kochen kann. Ich liebe Joes Ansatz am Wochenende einen großen Topf Bohnen zu kochen und die Woche über zu allen möglichen köstlichen Gerichten weiter zu verarbeiten". Ihr Lieblings-Mittagessensrezept: Bohnen auf Sauerteigtoast!

Prinzessin der Erbsen

Prinzessin der Erbsen

Hülsenfrüchte sind die Zukunft! Sagt Elisabeth Berlinghof von den Food Kompanions. Wir haben uns mit ihr unterhalten – über das Image der Ackerbohne, Darmgesundheit und Linseneintopf.

Während ihres Studiums in Italien an der Universität der Gastronomischen Wissenschaften wurde Elisabeth auf die kulturelle und kulinarische Vielfalt von Bohnen aufmerksam und entdeckte ihre Leidenschaft dafür – seitdem setzt sie sich für mehr Hülsenfrüchte auf unseren Ackern und Tellern ein. 

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Warum sind für Dich Hülsenfrüchte die Zukunft?
Weil sie für so viele Bereiche in unserem Lebensmittelsystem Vorteile bieten: Sie sind eben nicht eine weitere Avocado, die vegan und für uns sehr gesund sind, aber ökologische eine Katastrophe. Hülsenfrüchte sind Lebensmittel, die auf so vielen Ebenen nachhaltig und gut sind: für die Umwelt, Gesundheit, globale Gerechtigkeit und kulturelle Vielfalt. Sie haben einen geringen ökologischen Fußabdruck, erhöhen die Kohlenstoffspeicherung im Boden, ihre Blüten sind Nahrung für Bienen und Hummeln, sie bringen ihren eigenen Stickstoff-Dünger mit und wirken so dem Klimawandel entgegen. 

Wenn Hülsenfrüchte so viele Vorteile bieten, warum essen wir dann nicht mehr davon?
Hülsenfrüchte haben ein unglaublich schlechtes Image – eigentlich in ganz Europa. Der Historiker Ken Albala hat der weltweiten Geschichte der Bohnen ein ganzes Buch gewidmet (Empfehlung: Beans – A History). Die Idee zu seinem Buch kam ihm, als er bemerkt hat, dass es in der gesamten europäischen Literatur Vorurteile gegenüber Hülsenfrüchten gibt: Dass sie unfruchtbar machen, Unglück bringen oder gar tödlich sind. In manchen Regionen wurde daher früher davon abgeraten durch Erbsenfelder zu laufen! Das ist natürlich Unsinn, aber erklärt, wie tief verankert das schlechte Image der Hülsenfrüchte ist und woher es kommt und zwar nicht erst aus der Kriegszeit. 

Warum gibt es nicht mehr regionale Hülsenfrüchte auf unseren Tellern, zum Beispiel in der Gastronomie?
Die Kultur ist in einer Stadt wie Berlin total da, wir essen (wenn vielleicht auch unbewusst) ziemlich viele Hülsenfrüchte in unserem Alltag – wie zum Beispiel durch Hummus oder Falafel. Nur kommen die zu 99% nicht aus Deutschland. Was oft fehlt ist die Verbindung zwischen Gastronomie und Landwirtschaft: Ich habe hier zum Beispiel einen italienischen Koch kennengelernt, der Ackerbohnen (Dicke Bohnen) aus Italien importiert, weil er gar nicht wusste, dass die auch in Deutschland angebaut werden. Sobald es mehr Kommunikation und Nachfrage für regionale Hülsenfrüchte gibt, steigt sicherlich auch der Anbau. Und manche sind auch sehr teuer, wie zum Beispiel grüne Bohnen, da sie alle per Hand geerntet werden müssen.

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Gibt es in Deutschland Beispiele für Landwirt*innen,
die alte Sorten anbauen?
Das wohl berühmteste und erfolgreichste Beispiel ist die Alb-Leisa Linse, die von Woldemar Mammel in Baden-Württemberg angebaut wird. Eine wirklich abgefahrene Geschichte: Diese Linse galt als ausgestorben und wurde in der St.Petersburger Saatgutbank, dem Wawilow Institut, wiederentdeckt. Die Forscherin Sabine Gruber von der Uni Hohenheim hat sie dann gemeinsam mit Mammel angefangen wieder anzubauen und untersucht, wie man diese Linse wieder kommerziell anbauen kann, welche Stützfrüchte es dazu braucht etc. – da war in den Jahrzehnten davor viel Wissen verloren gegangen in dieser ehemals großen Linsenanbauregion. Inzwischen ist daraus eine ganze Öko-Erzeugergemeinschaft von 110 Betrieben entstanden. Sicherlich auch, weil Linsen in der Region kulturell und kulinarisch verankert sind, zum Beispiel durch das Gericht Linsen mit Spätzle!

Was können wir als Konsumenten und Konsumentinnen tun, um den Anbau von regionalen Hülsenfrüchten zu unterstützen?
Nachfragen! Auf dem Wochenmarkt und im Supermarkt: Warum kommen diese getrockneten Bohnen und Linsen aus Italien oder China und nicht aus Deutschland? Bohnen-Start Ups wie Bohnikat, Hülsenreich oder Ministry of Cultures unterstützen. Und Bohnen in den Alltag integrieren und frische Hülsenfrüchte auf dem Markt kaufen. In der Markthalle gab es letztes Jahr frische Brandenburger Borlotti, Edamame und Ackerbohnen! 

Wer mehr heimische Hülsenfrüchte kennenlernen und probieren möchte, kann am 10. Februar 2021, dem weltweiten Tag der Hülsenfrüchte, an dieser Online-Verkostung von Elisabeth und Cecilia Antoni teilnehmen!
Im Rahmen von Terra Madre Salone del Gusto werden verschiedene Köstlichkeiten aus heimischen Hülsenfrüchten verkostet.
Kleine Bohne – große Zukunft! Hier geht es zur Anmeldung. 

Fotos: Carla Ulrich

Bleibt wütend!

Bleibt wütend!

Im Jahr 2021 finden selbst Demos online statt. Also, auf zum Sofa und zur Wir haben es satt Demo – für ein radikales Umsteuern in der Agrar- und Ernährungspolitik!

Eigentlich war es eine richtige Tradition. Dieser eine bunte und laute Tag im sonst so grauen Januar.
Eine Tradition, die wir in der Zukunft lieber wegen einer besseren Agrarpolitik und nicht wegen einer Pandemie ausfallen lassen würden.
Aber da uns unser Lebensmittelsystem weiter genügend Grund gibt laut zu werden, müssen wir auch dieses Jahr Zeichen setzen: Für ein radikales Umsteuern in der Agrar- und Ernährungspolitik – vom Acker bis zum Teller!
Als Zeichen hat sich das Team von Meine Landwirtschaft die Aktion Fußabdruck ausgedacht: Jeder Schritt, jede eingereichte Forderung, wird am 16. Januar Teil eines großen Protestbildes vor dem Kanzleramt für eine zukunftsfähige Landwirtschaft und Klimagerechtigkeit in Berlin. 
Vorab gibt es wie immer eine Schnippeldisko (dieses Jahr, klar, digital) und danach Programmpunkte wie Soup & Talk, wo sich Aktivist*innen aus aller Welt mit ihren Initiativen vorstellen. 
Das Bühnenprogramm, dem man sonst auf Traktoren vor dem Brandenburger Tor folgen kann, wird online übertragen und dreht sich um keine geringeren Themen als agrarpolitischen Umbruch, Ernährungswende, Umbau der Tierhaltung, Konzernmacht, Pestizidausstieg, Bodenbotschafter*innen, Gentechnik-Verbot, Höfesterben und Umwelt- und Klimaschutz. Es gibt einiges zu beackern – auch in diesem Jahr.
In diesem Sinne: Bleibt politisch, bleibt wütend, bleibt laut und investiert mit Eurem Einkauf in eine bessere Landwirtschaft!

Samstag, 16. Januar 2021 15:30-19 Uhr.
Soup & Talk – Jetzt erst recht
Moosanbau, Saatgut aus Mesopotamien und die Boden-Revolution – bei Soup & Talk jagt im 5-Minuten-Takt eine innovative, spannende Initiative die andere. Der digitale Inspirationskessel vernetzt dabei über 30 Akteure aus der ganzen Welt, die praktisch für eine faire, ökologische Transformation der Lebensmittel- und Landwirtschafts-systeme eintreten. Da Soup & Talk dieses Jahr online ist, sind Redner*innen und Publikum aus aller Welt eingeladen, an diesem einzigartigen Treffen teilzu-nehmen. Damit alle was verstehen, wird die gesamte Veranstaltung simultan auf Englisch übersetzt. Zum Netzwerken und Diskutieren gibt es außerdem virtuelle Räume, in denen Ihr Themen vertiefen und Euch vernetzen könnt. Hier geht es zur kostenlosen Anmeldung!

2020

2020

2020 – das Jahr der Masken, Wegleitesysteme und fehlenden Tische. Alles war anders, aber Ihr wart trotzdem da. Vor und hinter den Ständen. Danke dafür! Das Frühstück im Kaffee9, die Mittagspause vor der Kantine und der Feierabend an der Heidenpeters Bar. Es sind die vielen kulinarischen und damit sozialen Momente, die wir in diesem Jahr am meisten vermissen. Wir vermissen Euch – wie Ihr mittags rund um unsere Biertische sitzt, am Donnerstagabend die Gänge füllt, die Gläser hebt, Freunde trefft, Essen genießt und diskutiert.

Ein Baum für (fast) immer

Ein Baum für (fast) immer

HEUTE KEINE WEIHNACHTSBAUM RÜCKNAHME!

Aufgrund der verschärften Corona-Situation wird am Samstag in Absprache mit dem Ordnungsamt keine Miet-Baumrücknahme an der Markthalle stattfinden.
Ihr könnt die Bäume zuhause abholen lassen oder alternativ auf die Greifswalder Str./Grüne Brücke im Prenzlauer Berg kommen, da dort mehr Platz ist und die Abstandsregeln besser eingehalten werden können.


Kurz vor Weihnachten doch noch das kleine Weihnachtswunder: 
Andreas Frädrich kommt am 19. Dezember (doch noch) vor die Markthalle und leiht Euch einen Baum.
Und nicht irgendeinen. Man könnte sie charakterstark nennen, seine Bäume, oder "winddynamisch", wie Andreas sie in einem Interview letztes Jahr beschrieb. 
Bei Andreas wachsen die Bäume im Freiland und werden regelmäßig in größere Töpfe umgepflanzt, um den Wurzeln Raum zur Entwicklung zu geben. Das macht sie so robust, dass er Euch eine Anwachsgarantie gibt, wenn Ihr den Baum nach Weihnachten in Euren Garten pflanzt – bis zu hundert Jahre kann er dann werden.
Weil aber die allermeisten von uns in Kreuzberg keinen Garten haben, hatte Andreas die geniale Idee: Ein Baum auf Zeit. Ihr verbringt die vielleicht schönsten Stunden des Jahres mit ihm, pflegt ihn nach der beigelegten Pflegeanleitung und gebt ihn dann Anfang Januar zurück.
Die kleineren Bäume wachsen noch ein wenig weiter im Topf, die größeren werden ausgepflanzt.
Seine Bäume, die nicht größer als zwei Meter werden – die lange Wurzel ist Schuld – kosten 15–50€ plus 10€ Pfand, das Ihr zurückbekommt, wenn Ihr den Baum heil wiederbringt.

Der Baumverleih findet vor der Halle statt, um dem Ganzen Raum und frische Luft zu geben. Ein großes Team wird alle so schnell wie möglich mit Bäumen versorgen. Wir bitten Euch: Auch wenn sich eine Schlange bilden sollte, bitte haltet Abstand und tragt auch vor der Halle Eure Masken. 

Hallengesichter und ihre Kochbücher (4)

Hallengesichter und ihre Kochbücher (4)

Anette Zeller (Frau Zeller)
Die liebe Anette backt sich seit Jahren mit Wolken und Tatzen in unsere Herzen. Jedes Jahr werden die Torten spektakulärer, das Baiser luftiger und Lebkuchen vielschichtiger. Manchmal fragen wir uns: Woher hat sie sie? Die Inspiration. Dass sie aus einer Familie voller Bäcker und Konditoren kommt, hilft natürlich. Aber da gibt es noch mehr einflussreiche Menschen, und ja: auch Bücher. "Ottolenghi war eine Offenbarung für mich, gerade seine süßen Rezepte. Einige meiner Kuchen habe ich auf Basis seiner Ideen entwickelt!"
An Weihnachten wiederum wird immer wieder das Buch ihrer 94-jährigenTante aufgeschlagen, auf der Seite 274. Da steht nämlich das Rezept Nr. 1810 für den Zellerschen Grieß-Kirschen-Kuchen. Viel braucht er nicht, zum Glänzen: Nur ein wenig Zimt, Salz und Zitronenschale. Wir haben für Euch das Rezept abgetippt: Merry Grießkuchen!

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Grießkirschenkuchen

1kg Kirschen, 180g Grieß, 1l Milch, 120g Butter, 120g Mandeln, 250g Zucker, 6 Eier, Schale von 1/2 Zitrone, 1TL Zimt, 1 Prise Salz

Die Milch wird mit einem Stückchen Butter zum Sieden gebracht, der Grieß darin zu einem Brei gekocht, 1 Ei gleich untergerührt und kaltgestellt.

Die übrige Butter wird schaumig gerührt, Eigelb, Zucker und Zitronenschale noch 1/2 Stunde mitgerührt, dann die geriebenen Mandeln und Zimt untergemischt. Der Grießbrei wird mit einem Teil der Masse glattgerührt, zum Übrigen gegeben und der steife Eierschnee untergemischt. In ein gut gestrichenes, mit Weckmehl ausgestreutes Blech gibt man erst einen dünnen Boden von der Masse, bevor man die gewaschenen, abgetropften Kirschen daruntermischt. Der Kuchen wird 1 Stunde in guter Hitze gebacken.