Falscher Hase
Sonntag in einer Woche wird es bei uns wieder süß und gehaltvoll. Der Naschmarkt für handwerkliche Süßigkeiten, immer handgemacht und oft gar nicht mal so süß, kommt wieder in die Markthalle. Auch, um für Verständnis zu sorgen. Für Arbeitsbedingungen, für eine Produktethik, für den Geschmack, oder wie es Christoph Wohlfarth sagt: „Vieles, das im Supermarkt als Milchschokolade angeboten wird, ist vielleicht mal an einem Sack Kakaobohnen vorbeigefahren, das war es auch schon.“ Wohlfarth hat, nach Ausbildung und Arbeit als Patissier, etwa bei Kolja Kleeberg, seine eigene Schokoladenmanufaktur gegründet. Wohlfarth Schokolade, Choriner Straße 37, Prenzlauer Berg, ist auf unserem Naschmarkt seit der ersten Stunde. Ein paar Argumente, warum wir handwerklich naschen sollten.
90 Prozent der Welternte von Kakao fallen auf eine Sorte: Forastero. Die ist schädlingsresistent, ertragreich, wachstumsstark – und eigentlich ohne jedwedes Aroma. 99 Prozent aller industriell hergestellten Schokoladen werden aus dieser, nun ja, geschmacklosen Bohne gemacht. „Kommt halt noch etwas Lecithin oder etwas Vanillin rein, damit es schmeckt.“
Handwerkliche Schokolade ist eben: Handarbeit. Das macht mehr Arbeit für den Menschen – und weniger für die Zutaten. „Konkret bedeutet das etwa, dass im Manufakturbetrieb die Zutaten nicht buchstäblich toterhitzt werden.“
Kinderarbeit – aber auch generell miese Arbeitsbedingungen – ist noch immer üblich in den Kakaoplantagen . Von allen großen Süßwarenkonzernen erhält man dazu schwammige bis gar keine Statements. Und erst recht keine klare Haltung. Deshalb ist es unabdingbar Kakaobohnen auf Augenhöhe – und mit Augenkontakt – zu handeln. „Es gibt leider zu viele wenig überzeugende Siegel und Versprechen. Wichtig ist: Kein Rohkakao aus Ländern, in denen es keine Schulpflicht gibt. Also etwa von der Elfenbeinküste, wo mehr als eine Million Kinder in den Plantagen arbeiten und von wo gut 60 Prozent, des in Deutschland gehandelten Kakaos kommen.“ Die Kampagne Make Chocolate fair! , die auch beim Naschmarkt sein wird, ruft dazu auf, bei seinem Lieblingsschokoladenhersteller nachzuhaken.
Qualitätsunterschiede sind, eben, qualitativ. Aber selbst im Supermarkt begegnen uns ein oder zwei Marken, die den Mythos der Manufakturqualität vor sich hertragen. Um es kurz zu machen: Auch ein Schokoosterhase mit einer goldenen Glocke um den Hals bleibt ein Industrieproudukt, sein engster Verwandter steht zwei Regaletagen tiefer und kostet 39 Cent. „Die Leute kennen diese vermeintlich guten Pralinen- und Schokoladenmarken ja noch von ihren Großeltern. Rein auf die Betriebsabläufe geguckt, ist da aber nichts anders als in jeder konventionellen Schokoladenfabrik."