Danach kräht jeder Hahn

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Normalerweise funktioniert dieser Newsletter ja so: Einer oder eine macht etwas Kulinarisches, Ökologisches, Handwerkliches. Und dann erzählen wir davon. Diesmal aber erzählen wir von einem, der selbst erzählt: Ingmar Jaschok nämlich ist Demeter-Bauer, Influencer und seit dem vergangenen Jahr auch preisgekrönter Podcast-Produzent: „Ich habe immer wieder gemerkt, dass sich gerade die kleinen, aufrichtig engagierten Höfe unter Wert verkaufen. Die stecken so knietief in ihrer Arbeit, ihrem Alltag, dass die Zeit und vielleicht auch das Zutrauen fehlen, die eigene Geschichten angemessen zu verkaufen.“ Und so erzählt Ingmar Jaschok also Geschichten. Was keinesfalls als „Geschichten erzählen“ missverstanden werden darf. Denn für seinen Hofhuhn-Blog ist der abgebrochene Student der Literaturwissenschaften mindestens ein genauso guter Zuhörer: „Ich hatte das Gefühl, dass in den Diskussionen zwischen Bauernverband, Veganern, graswurzelbewegten Biobetrieben und der konventionellen Landwirtschaft eine moderierende Stimme fehlt. Ich bin sehr niveauflexibel, ich kann mit einem Kohlbauern aus Dittmarschen bei einem Pils und zwei Kurzen über seine Sicht auf die Landwirtschaft plaudern, habe aber genauso ganz viele Follower aus der Literaturszene.“ Warum wir auf Ingmar Jaschok aufmerksam geworden sind? Der junge Mann aus der Eifel ist kein Manufactum-Bauer, der uns zivilsationsmüde Städter*innen einen von der Idylle erzählt. Er meint es ernst mit er Ernährungs- und Agrarwende. Und das im Hier und Jetzt. Auch deshalb war er im September beim Symposium der Gemeinschaft auf Gut Kerkow dabei, wo er über seinen „Hoffunk" gesprochen hat – „Öffentlichkeitsarbeit handgemacht".
Apropos: Hat Ingmar Jaschok auch uns Berliner*innen etwas zu sagen? „In Berlin gibt es auch in der Öko-Szene eine gewisse Startup-Mentalität, die mir zu merkantilistisch und gewinnorientiert denkt. Da werden Projekte und Produkte schnell hochgejazzt, anstatt sie grundsätzlich und auch kontrovers zu denken.“ Und schon wieder hat der Demeterbauer aus der Eifel einen Nagel auf den Kopf  getroffen.
Ach ja, wer jetzt nicht weiterlesen, sondern lieber zuhören möchte: Hier geht's zu allen Folgen des Hofhuhn-Potcasts.