Berauschendes Handwerk

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Theo Ligthart und Thomas Kochan haben einen Umweg genommen. Und stehen gerade damit so prototypisch für viele der Protagonisten der von ihnen kuratierten Spirituosen-Messe Craft Spirits Berlin. Ligthart, gebürtiger Niederländer mit Wiener Wurzeln, war Künstler, Philosoph und Großstadtmensch, um sich dann für das traditionell ländliche Handwerk des Brennens zu begeistern. Inzwischen entwickelt er als Freimeisterkollektiv großartige Spirituosen. Dr. Thomas Kochan hat als Kulturwissenschaftler über die Schnapskonsum und die Brennerszene der DDR promoviert, um schließlich im Prenzlauer Berg einen, nun ja, Autorenspirituosenladen zu eröffnen: Dr. Kochans Schnapskultur. Zudem bringen beide einmal im Jahr diese neue, entdeckungsdurstige Szene in der Heeresbäckerei zusammen. Als Destille Berlin wurde das Festival dereinst gegründet. Wohl auch, weil inzwischen die Welt auf die spontanvergorenen Obstbrände vom Bodensee oder fassgereiften Roggenkorn aus dem Münsterland aufmerksam geworden ist, heißt es inzwischen nur mehr: Craft Spirits Berlin. Rund 100 Aussteller aus Deutschland und beinahe dem Rest der Welt, Verkostungen, Vorträge sowie – am Vorabend und im charmanten Säälchen auf dem Holzmarktgelände – die Verleihung des Craft Spirits Awards. Wer es am kommenden Wochenende nicht in die Heeresbäckerei schafft: 14 Tage lang wird es nach dem Festival einen Craft-Spirit-Shop mit ausgewählten Messelieblingen in der Feinschmecker­etage des KaDeWe geben.