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Neue Plätze, bekannte Gesichter – in der Halle weht frischer Wind!

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So ein Markt ist immer in Bewegung – mal kommt jemand, mal geht jemand, mal zieht jemand um. Das erste Halbjahr war von so viel Dynamik geprägt, dass es Zeit für eine Bestandsaufnahme wird: Wer ist neu, wer hat sich verändert, wo lohnt sich eine Entdeckungstour?

Wo früher beim Kaffeeklatsch am Eck geplaudert wurde, blubbern jetzt die Fermente bei Roots Radicals. Das Marktcafé ist zurück in sein historisches Holzhäuschen gezogen. Und dort, wo sonst nur Bänke und Tische standen, wurde ein ganz neuer Stand gebaut: Zoom Fresh ist eingezogen und bereichert den Markt mit handgemachtem, koreanischem Allerlei.

Wir haben alle drei Stationen besucht und nachgefragt, was die neuen Kapitel so besonders macht.

Peru, New York und Kreuzberg
Roots Radicals bringt die Alchemie der Fermentation in die Halle

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Der Stand von Roots Radicals ist kaum zu übersehen: ein brandneuer Türkis-Anstrich, bunte Gläser voll eingelegter Zitrusfrüchte, Gemüse, Soßen und Gewürze – und nicht zuletzt diese strahlenden Kraftwerke von fermentierenden Frauen.

Ruhende Gläser & rotierende Frauen

Der Weg von Gründerin Monica begann bei dem, was mit bloßem Auge kaum erkennbar ist: den Mikroorganismen. Die gebürtige Peruanerin studierte Molekularbiologie, absolvierte später einen Master in Culinary Arts, kochte in New York und verschrieb sich dort Konzepten wie Farm-to-Table und Zero Waste. Vor allem aber zündete sie die Vielfalt von Fermentationen an – und die Idee durch bewusstes Gewähren von Zeit, Neues entstehen zu lassen.

Es ist ein faszinierender Kontrast: Während das Team von Roots Radicals mit unbändiger Energie agiert und Konzepte vorantreibt, fordert der Prozess im Glas absolute Entschleunigung. Dieses Wechselspiel aus Tatendrang und Geduld prägt auch die Geschichte der "radikalen Wurzeln", die nun – den Mikroben sei Dank – mit einer eigenen Pickle Bar ein neues Kapitel in der Markthalle Neun aufschlagen. Ein Ort, an dem ab jetzt mit Hochdruck gearbeitet wird, damit in den Gläsern die nötige Ruhe einkehren kann.

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Dabei hat alles deutlich kleiner begonnen. Monica erinnert sich gut an das erste Tasting in der Markthalle Neun: ein improvisierter Tisch im Marktbüro, bestückt mit einer Handvoll farbenfroher Produkte. Es folgten Samstage auf dem Wochenmarkt. Viele Gespräche und unzählige Gläser später reifte der Gedanke, dass es einen festen Ort braucht. Die Antwort darauf steht heute auf der Fläche des ehemaligen Marktcafés.

Seit Februar hat Roots Radicals hier ein dauerhaftes Zuhause gefunden – und der Stand wächst mit seinen Aufgaben. Das Sortiment wurde längst um wechselnde Mittagsgerichte, kreative Drinks und Kochkurse für Jugendliche erweitert.

Gemeinsam haltbar gemacht

Besonders schätzt Monica das kulinarische Miteinander der Halle: Zitronen werden gemeinsam mit Food Together eingelegt, das Gemüse kommt von Neset und Arife, die Inspiration von allen Seiten. „Als wir nur samstags hier waren, konnten wir dieses Netzwerk gar nicht richtig nutzen“, erzählt sie. Heute funktioniere die Markthalle für sie wie ein lebendiges Ökosystem, in dem Ideen, Zutaten und gegenseitige Unterstützung zirkulieren.

Und weil Stillstand das exakte Gegenteil von Fermentation ist, steht das nächste Projekt bereits an: Bald zieht ein eigener Ofen ein. Dann wird die Karte, die aktuell von Pickles über Currys bis zu Pintxos reicht, um Lasagne und andere Ofengerichte erweitert.

Worüber Monica aber mindestens genauso leidenschaftlich spricht wie über ihre Produkte, ist ihr Team. Roots Radicals ist ein FLINTA*-geführtes Unternehmen – ein Team aus Frauen und Queers, das die täglichen Herausforderungen und Visionen gemeinsam trägt. Dass das Projekt heute an diesem Punkt steht, verdankt es für Monica nicht nur dem festen Platz in der Halle, sondern vor allem den Menschen, die diesen Weg mit ihr gehen.

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Filterkaffee, Eierschrippe und Tresenschnack
Das Marktcafé zurück im Herzen der Halle

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Während am Eck Neues entsteht, ist das Marktcafé in diesem Jahr dorthin zurückgekehrt, wo es hingehört: in das historische Holzhäuschen mitten in der Halle.

Mehr als Koffein: Der soziale Anker der Halle

Und das passt. Denn die Institution ist nicht nur geografisch der Mittelpunkt der Markthalle Neun, sondern auch der Fixpunkt im Tagesablauf der Menschen vor Ort. Hier kreuzen sich die Wege zu jeder Uhrzeit: zum schnellen Kaffee vor Schichtbeginn, für eine Pause während des Markteinkaufs oder auf einen kurzen Tresenschnack zum Feierabend.

Seit 1989 begleitet das Café Generationen von Händler*innen, Nachbar*innen und Gästen durch den Alltag. Hier geht es seit jeher um mehr als um den reinen Ausschank: Das Holzhäuschen ist der Ort, an dem Neuigkeiten aus dem Kiez ausgetauscht, Einkaufszettel besprochen und unkomplizierte Begegnungen im Vorbeigehen möglich gemacht werden.

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Heute führen Luca und Nele den Betrieb. Mit frischen Blumen auf der Theke, hausgemachtem Kuchen, tagesaktuellem Lesestoff und vielen feinen Nuancen haben sie der Kaffeekabine eine eigene, moderne Handschrift gegeben, ohne deren Charakter zu verändern.

Wichtiges bleibt bewusst vertraut: Die klassische Eierschrippe steht weiterhin auf der Karte, ebenso wie Filterkaffee. Der Unterschied liegt im Detail und im Netzwerk der Halle. Die Zutaten kommen heute konsequent von den Nachbarständen: Der Käse stammt von Alte Milch, Mettwurst und Kochschinken von Kumpel & Keule, der Kaffee von der befreundeten Rösterei Vote. 

Am Tresen des Marktcafés läuft die Halle im Kleinen zusammen. Wer hier Platz nimmt, bekommt nicht nur Kaffee, sondern das Beste der Nachbarstände und ungefiltertes Hallenleben auf einmal serviert.

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Tanzstimmung und Tteokbokki
Eddie und Heejoo bringen gute Laune und präzise Aromen 

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Es ist ein offenes Geheimnis in der Halle: Zoom Fresh sind die Showmaster der Markthalle Neun. Zwischen dem Anrichten von Bibim Noodles und dem Schwenken von Reiskuchen (Tteokbokki) baut Eddie regelmäßig spektakuläre Tanzeinlagen ein. Den nötigen Gegenpol liefert Heejoo: Mit ihrer spürbaren Ruhe und kulinarischen Präzision hält sie Eddie den Rücken frei und sorgt dafür, dass jedes Gericht exakt austariert und im perfekten Takt über den Tresen geht. Am Ende fließen beide Bewegungen ineinander: Eddies Tanzschritte und HeeJoos Handgriffe verschmelzen zu einer gemeinsamen, fließenden Choreographie. Die offene Küche wird zur großen Bühne – und Standing Ovations am Tresen sind keine Seltenheit.

Seit einigen Wochen hat das Duo den eigenen, festen Stand bezogen. Ein Meilenstein, auf den die beiden lange hingearbeitet haben. Denn obwohl sie bereits seit vier Jahren zur Wochenmarkt und Street Food Thursday gehören, fühlt sich die eigene Theke anders an. Nach echtem Ankommen.

Nach ihrer Ankunft in Berlin 2011 starteten Eddie und Heejoo 2017 zunächst mit Kochkursen und kulinarischen DIY-Boxen für zu Hause. Das selbstgemachte Kimchi entwickelte sich dabei in Windeseile zum Bestseller und legte das geschmackliche Fundament für das heutige Konzept.

Der Geschmack koreanischer Märkte

Bis heute dreht sich alles um die Küche ihrer Heimat, deren Ursprünge in den lebendigen Markt- und Streetfood-Kulturen Koreas liegen. Es ist unkompliziertes, ehrliches Essen, das im Herzen von Kreuzberg goldrichtig aufgehoben ist. Denn hier treffen die scharfen, sauren und umamireichen Kontraste auf ein Publikum, das genau diesen kulinarischen Kick sucht, Fragen stellt und sich gerne überraschen lässt.

Die neue Infrastruktur nutzen die beiden bereits für das nächste Projekt: Bald soll selbst fermentierter Reiswein (Makgeolli) das Angebot ergänzen und noch mehr Vielfalt an den Tresen bringen.

Egal, wie weit die Karte in Zukunft wächst – das Herzstück bleibt das Kimchi. Schließlich hat damit alles angefangen. Es ist die kulinarische Wurzel einer Erfolgsgeschichte, die beweist, dass Tradition am besten schmeckt, wenn man sie mit einer gehörigen Portion Lebensfreude teilt.

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