Neues aus der Halle

Ur-gut, Ur-knall, Ur-käse!

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Anna Warnow

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Einfach ur-gut: Die Cheese Berlin. Bild: Anna Warnow

Manchmal muss man ein paar Jahrtausende zurückreisen, um zu verstehen, was da auf dem Käsebrett liegt – und was sich am 8. November auf der Cheese Berlin erleben lässt. Klar, beim Käse geht es um Geschmack. Aber Käse ist kann auch eine Reise ins Archiv der Menschheit sein: Milch haltbar zu machen gehört schließlich zu den ersten echten Zivilisationstricks. Blicken wir auf die diesjährige Cheese Berlin durch die Vorsilbe aller Vorsilben: „Ur“.

Zyklopen, Gletscher, Holzfässer: Käse-Ur-Gesteine

Auf der Suche nach Ur-Sprüngen landet man unweigerlich in Mythologie und Gletscherspalten. Schon Homer wusste zu berichten, wie der Zyklop Polyphem Milch dicklegte – ein Ur-Prozedere, das Odysseus auf seinen Irrfahrten (von Ur-laub konnte kaum die Rede sein) den Ur-Feta nahebrachte. Und während Ötzi mit etwas Käse im Proviantbeutel durch die Ötztaler Alpen stapfte, nutzten Hirten auf der Hochfläche von Asiago wohl schon ganz ähnliche Pfade, um die Ur-Formen des heutigen Asiago PDO herzustellen.

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Kunst zum Reinbeißen: Die Ausstellung Exponat Käse feiert dieses Jahr die Farben der Käsewelt. Bild: Anna Warnow

Der Asiago ist ein echtes Ur-Gestein der oberitalienischen Käsekultur. Ursprünglich aus Schafsmilch gewonnen und später auf Kuhmilch umgestellt, erzählt er von den Almen der Venetischen Alpen – ob als junger, geschmeidiger Pressato oder als lange gereifter, mürber d’Allevo – in ihm zeigt sich ein Jahrhunderte altes Wissen um Reifung, Konservierung und die perfekte Nutzung alpiner Landschaften.

Dass auch echter Feta PDO – im besten Fall im Holzfass gereift – weit mehr ist als ein bröseliger Salatbegleiter, zeigt eine weitere Geschichtsreise. Denn hinter dem Siegel steckt echtes Hirtenhandwerk: Milch ausschließlich von griechischen Schafen und Ziegen karger, kräuterreicher Weiden, langsam in Salzlake gereift. So erzählt er von rauen Landschaften und einer ur-alten Konservierungsmethode, die lange vor dem Kühlschrank das Überleben sicherte.

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Mit dem Senner Anton "macht Ke:s" Sutterlüty, Luise Tiemann und Ursula Heinzelmann geht es auf Zeitreise, Bild: Anna Warnow

Wer hat an der Ur gedreht? Zeitreise im Sennkessel

Wer wissen will, wie die Jungsteinzeit geschmeckt haben könnte, kommt mit auf eine ungewöhnliche Zeitreise: Die Archäologin Luise Tiemann und Senner Anton „macht Ke:s“ Sutterlüty haben ihre ganz eigene Zeitmaschine angeworfen und sich einen Monat lang auf ein Vorsäß im Bregenzerwald zurückgezogen. Ihr Handwerkszeug: frische Alpenmilch, uralte Kulturen und Nachbauten 7000 Jahre alter Käseformen aus dem heutigen Nordpolen.

Das Ergebnis ist prähistorisches Käsehandwerk. Ein Geschmacksexperiment, das Urgeschichte in einem Cheesetalk am Samstag verblüffend lebendig macht.

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Martin Rosberg (links), Ur-käse Pionier aus Uruguay im internationalen Austausch mit Mike Thomson, der Young Buck in Nordirland macht, Bild: Anna Warnow

Ur-uguay: Radikales Handwerk vom Atlantik

Das Wörtchen „Ur“ führt nicht nur in die Antike, sondern auch an den südlichen Atlantik. In Uruguay entsteht abseits europäischer Traditionen gerade eine der eigenwilligsten Käsekulturen der Gegenwart.

In seiner Mikro-Käserei arbeitet Pionier Martin Rosberg radikal: Rohmilch, eigene Kulturen, Handarbeit. Beim Cheese Talk “Gaucho Groove & Raw Milk Rebellion: Uruguay’s Cheese Avant-Garden” zeigt er, wie aus Ur-Bekanntem Neues entsteht – wie etwa seinen Camembert Antiguo, eine Ur-interpretation des Klassikers. Im Gepäck hat er zudem spannende Kreationen befreundeter Kolleg*innen. Dieser Blick über den Ozean beweist: Selbst am anderen Ende der Welt sucht das Handwerk nach seinen Ur-Sprüngen – und erschafft daraus radikal neue Traditionen.

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Ein Highlight auf der Cheese Berlin-Italienreise: Parmigiano Reggiano vom Consorzio Vacche Rosse, Bild: Anna Warnow

Der perfekte Ur-laub: Ein Sonntag auf Weltreise

Wer nach all den Zeitreisen reif für den Ur-laub ist, findet ihn mitten in Kreuzberg. Über 50 Aussteller*innen bringen ihre Käse aus Nord, Süd, Ost und West. Wer sich auf dieser voyage lactique fachkundige Reisebegleitung wünscht, schließt sich den Cheesewalks an:

Eine Deutschlandreise: Marc Albrecht-Seidel vom VHM räumt mit Klischees auf und führt jenseits von Harzer und Bergkäse durch ein Mosaik aus eigenwilligen Hofkäsereien und radikalen Neuentdeckungen.

Tour de Nord: Islands Cheese Queen Eirný Sigurðardóttir nimmt uns mit auf ihre ganz eigene Nord-Geografie, auf der Nordirland, Südengland, Schweden, Finnland, Norwegen und Island ganz selbstverständlich auf einer Route liegen.

Un Viaggio Italiano: Lucia Rizzo – ihres Zeichens Gastronomie-Wissenschaftlerin – führt von den Alpen bis in den Süden – von Asiago über Fontina bis Parmigiano Reggiano, weit abseits bekannter Klassiker.

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Der Knaller des Tages: ein L’Étivaz, vier Alphörner und pure Alpendramatik auf der Bühne

Ur-ig wie am offenen Feuer? Das große L’Etivaz Finale!

Den krönenden Ur-Knall setzt um 17:30 Uhr ein echtes Stück alpiner Ur-Tradition: Auf der Bühne wird live ein gewaltiger 30-Kilo-Laib der Rarität L’Etivaz AOP geknackt – im Kupferkessel über offenem Feuer gekäst und das wohl kompromissloseste Ur-Gestein der Waadtländer Alpen. Untermalt vom wuchtigen Sound vierer Alphörner wandert das Gold der Berge frisch abgeschnitten direkt auf die Hand – inklusive Verlosung und der Chance, sich dieses Ur-Erlebnis live vor Ort anzusehen! Das heißt: Zu gewinnen gibt es eine Reise direkt in seine Schweizer Heimat!

Ob prähistorisches Experiment, südamerikanischer Pioniergeist oder alphorngetöntes Schweizer Finale: Dieser Sonntag ist eine Reise. Und vor allem: eine Reise wert.

Tickets & das ganze Programm gibt’s auf cheese-berlin.de

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