„Wo es darum geht, Menschen satt zu machen, wird meistens schlecht gekocht“

An dieser Stelle erzählen wir Euch also bis Oktober jede Woche eine Geschichte von Stadt Land Food (1. bis 8. Oktober), unserem Festival für gutes Essen und gute Landwirtschaft. Wir fangen an mit Patrick Wodni und den 4,74 Euro mit denen er tagtäglich drei nachhaltige und sozialverträglichen Mahlzeiten für die Patienten und Patientinnen der Klinik Havelhöhe in Spandau organisiert. Schließlich ist das ja das Motto unseres diesjährigen Festivals: Gutes Essen für alle.

Patrick Wodni ist Koch. Eigentlich aber wollte er etwas vernünftiges machen. Schließlich sei Essen, auch und gerade das gute, doch vor allem Unterhaltung. „Ich inszeniere da für ein Publikum einen tollen, geschmackvollen Abend. An den Orten aber, an denen es darum geht, Menschen wirklich satt zu machen, den Schulen, Kantinen und Krankenhäusern, da wird immer schlecht gekocht.“ Also meldete sich Patrick Wodni auf eine Anzeige. Die Havelhöhe in Spandau, ein antroposophisches, aber doch vor allem ganz normales Krankenhaus wollte das mit dem guten Essen für alle hinbekommen. Von 4,74 Euro pro Tag. Mehr ist nicht vorgesehen. Also wurde Wodnis wichtigstes Küchenwerkzeug die Mischkalkulation. Sie erlaubt ihm Backwaren in demeter-Qualität. „Aber wenn es am Sonntag Lamm vom Müritzhof geben soll, muss ich hoffen das unter der Woche genug Patienten den Milchreis wählen“. Sollten sie, denn auch der Milchreis ist sehr, sehr gut.
Das zweitwichtigste Werkzeug von Patrick Wodni. Seine Worte, und seine Geduld. Denn:„Die größte Herausforderung ist die Akzeptanzförderung. Alleine, dass es nur noch zwei- oder dreimal in der Woche Fleisch gibt, muss mindestens erklärt werden.“ Erfolgserlebnisse? „Wenn gerade Menschen, die länger bei uns sind, plötzlich nach einem Rezept fragen oder verstehen, warum es etwas in dieser Woche gibt und in der davor noch nicht.“ Saisonalität, Regionalität und vor allem eine faire Wertschöpfungskette, darum geht es Patrick Wodni und der Klinik Havelhöhe: „Auch die Kalkulation mit konventionellen Lebensmitteln funktioniert ja nur, wenn alle an einem Produkt Beteiligten möglichst beschissen bezahlt werden.“ Nicht nur in deutschen Krankenhäusern nämlich ist auch das Essen ein Patient.

Dass diese Erfolge von Dauer sind und Nachhall haben, darauf hoffen Patrick Wodni, der sich spätestens ab dem kommenden Jahr voll uns ganz in einem genossenschaftlichen Projekt im Rheinland engagieren möchte, und die Klinik. Und deshalb wird nach einem ebenso pragmatischen wie visionärem Küchenrevolutionär gesucht.