Wir hätten da mal ein paar Fragen

Vermutlich habt Ihr Euch ja alle schon am Wahl-O-Mat probiert. Ihr wisst schon, dieses Online-Tool, das uns anhand von 38 Fragen quasi mit unserer Lieblingspartei verkuppeln will. Von diesen 38 Fragen verhandeln gerade einmal zwei die Zukunft unserer Ernährungspolitik: „Soll die ökologische Landwirtschaft stärker gefördert werden als konventionelle Landwirtschaft?“ und „Soll die Gesamtzahl der Nutztiere in den landwirtschaftlichen Betrieben einer Gemeinde begrenzt werden können?“
Wir sagen ganz klar: ja! Aber darum geht es jetzt nicht. Es geht um die Frage, warum die Fragen der Ernährung einer Gesellschaft, die zunehmend urbanisiert und sich damit immer weiter von den natürlichen Räumen der Lebensmittelproduktion entfernt, den meisten Parteien offensichtlich nicht besonders wichtig sind. Schließlich sind es ja die Parteien selbst, die den Wahl-O-maten mit ihren Grundsatzpositionen gefüttert haben. TTIP? Gentechnisch veränderte Lebensmittel? Nachvollziehbare Kennzeichnungen? Gescheites Schulessen? Alles nicht so wichtig. Und wenn man die beiden Begriffe „Ernährung“ und „Bundestagswahl“ googelt, landet man als erstes bei der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie und ihren „Positionen zur Bundestagswahl: „Die Ernährungsindustrie in Deutschland steht für Sicherheit, Qualität, Fülle und Bezahlbarkeit von Lebensmitteln. Sie ist stark in der Region, Essen und Nahrung sind hierzulande ein Stück Heimat.“
Die Fülle, Bezahlbarkeit und damit Verschwendung von Lebensmitteln? Industrialisierung als Regionalisierung? Und wie definiert ein Mastbetrieb mit einer halben Million Hühnern oder ein niedersächsischer Produzent von Schwarzwälder Schinken die Begriffe Heimat und Identität? Wir wollen hier keine Wahlempfehlung aussprechen, wir wollen aber unbedingt empfehlen, die Zukunft unserer Ernährung als ein zentrales Thema zukünftigen politischen Handelns zu begreifen. Bis dahin empfehlen wir diese Glosse des Gastronomiekritikers Jürgen Dollase über ein sehr dummes und sehr falsches Wahlplakat der AfD. Und erinnern noch einmal an die „Wir haben es satt“- Aktionstour zur Bundestagswahl und die Demo gegen Tierfabriken an diesem Samstag in Königs Wusterhausen.