Völlegefühl

Eigentlich erzählt diese Pointe schon viel über die innere und äußere Verfasstheit dieser, nun ja, agrar-industriellen Leistungsschau: Die Grüne Woche hat ihren Namen nicht etwa von der in Landwirtschaft und Gartenbau nun mal von Natur aus vorherrschenden Farbe und schon gar nicht vom ökologischen Aufbruch, der sich spätestens seit den Achtzigern diesen Anstrich gibt. Grün heißt diese Woche wegen der Lodenmäntel, die ihr Publikum so überwiegend getragen hat. Damals 1926 , als in der Millionenmetropole Berlin die erste Landwirtschaftsschau stattgefunden hat.
Damals wie heute also geht es um ein Image, die oberflächen Eindrücke. Aber geht es noch um Landwirtschaft? Schlendert, nein schiebt man sich durch die einzig zur Funkausstellung ähnlich dichtgedrängten Messehallen bleibt dieser Eindruck einzig in den folkloristischen Momenten. Trachtengruppen, Blaskapellen, Weinköniginnen. Aber auch das ist ja nicht neu. Schon 1928 waren aus dem Spreewald Flachspinnerinnen in historischen Gewändern auf die Grüne Woche gekommen. Ohnehin ist diese ja längst und vorallem eine Verbrauchermesse. Und wir Verbraucher sind ja eben beides: Konsument und Tourist.
Sind wir auch kritisch? Ach geschenkt! Zumindest, so lange es etwas geschenkt gibt. Großzügige Probierhappen, Tüten voll mit Krams. Da wrid sich schon mal für rumgeschuppst an den Messeständen. Survival of the fittest? Immerhin so viel Natur darf sein auf dem Berliner Messegelände. Das wirklich Blöde dabei: Eigentlich wäre diese Grüne Woche ja gerade der Ort, an dem alle zusammenkommen, die Landwirte, ihre Interessensverbände, die Politik, die Industrie – und die Konsumenten. Rund 400.000 Besucher werden auch in diesem Jahr erwartet. Eigentlich könnte da viel mehr rauskommen als eine Tüte voll Krams.

Hoffnung aber keimt zwischen den Ackerfurchen. Etwa wenn am Rande der Grünen Woche 15 (konventionell ackernde) niedersächsische Jungbauern auf Jochen Fritz von der Wir-haben-es-satt -Initiative zugegangen und gemeinsam mit ihm zu uns in die Halle gekommen sind. Und wir eine offene, aufgeschlossene Gesprächskultur erleben. Bauer Willi hat diese Aufbruchstimmung am Samstag vor dem Brandenburger Tor eigentlich ganz gut auf den Punkt gebracht .

Foto: © Messe Berlin GmbH