„Viel im Kopf, aber auch ein großes Durcheinander“

Vorgemerkt: Junge Bäcker bei der Brotzeit , am Sonntag, 22. April

Michael Gauert wusste früh, was er machen wollte. Und was anders. Bäcker wollte er werden. Schon als Kind auf dem Bolzplatz und später als Schüler auf dem Gymnasium, das er bald für eine, seine handwerkliche Ausbildung an den Nagel hängen sollte. Weniger wegen dem goldenen Boden und so. Eher von wegen: Folge Deinem Herzen. Und das Herz von Michael Gauert hängt am Brot. Am Roggenbrot, dem aus den vollen Körnern hängt es am meisten. „Wenn Kunden bei mir im Laden stehen und nur vorne in die Theke auf die süßen Sachen gucken und nicht hinten auf die Brote, das verstehe ich bis heute nicht so ganz.“
Sein Laden liegt in Düsseldorf-Flingern . Ein durchmischtes, alternatives, auch ein günstigeres Stadtviertel. Also an Düsseldorf gemessen. Hier hat sich Gauert mit Ende Zwanzig selbstständig gemacht. „Ich hatte viel im Kopf, aber auch jede Menge Durcheinander.“ Aber das lichtete sich, als der Laden da war. Ein einziger Raum eigentlich, den sich das Backen und Verkaufen teilen. „Ich habe gemerkt wie wichtig das für die Leute ist. Die, die bereit sind, in wirklich handwerkliche Arbeit zu investieren, die wollen das auch sehen.“ Die Bulle Bäckerei kann sich sehen lassen. Auch weil Michael Gauert alle mitnimmt, die Ökos, die Hipster, die wertkonservativen Qualitätssucher, die Alteingesessenen. „Meine Kundschaft ist das totale Mischmasch, das funktioniert nur, wenn das Produkt stimmt, nur mit guten Geschichten geht das nicht.“
Und doch weiß der junge Bäcker auch, wie wichtig gute Geschichten sind. Für die Innung war er Beisitzer in Gesellenprüfungen, er kennt das Leid der Betriebe die keine Auszubildenden mehr finden. Und das der Auszubildenden, die in rationalisierten Aufbackbetrieben nichts mehr lernen, was noch Handwerk genannt werden kann. „Aber die, die heute noch oder besser gesagt wieder Bäcker werden, die verbinden wieder wirklich was mit diesem Beruf. Die Zeiten in denen einer sagt, im Kfz-Laden um die Ecke haben sie mich nicht genommen, werde ich halt Bäcker, die sind definitiv vorbei.“
Nicht vorbei ist die Zeit für gutes Brot. Michael Gauert muss das wissen. Mit Einverständnis seines ehemaligen Chefs hat er zwei Auszubildende mit in die Bulle Bäckerei genommen. Und arbeitet somit aus dem Stand auch an der Zukunft eines Berufes, der es mit unserem Essen sehr unmittelbar meint. Wenn man ihm den die Zeit dafür lässt, die Aufmerksamkeit dafür gibt.
Solche Geschichten wollen und werden wir Euch aufs Brot schmieren. Auf der Brotzeit, am Sonntag, 22. April. Bleibt hungrig, und gespannt.