Stadt Land Haus ... Food

In eigener Sache: Ein Jahresrückblick mit der Markthalle Neun:
Kein Genuss sei vorübergehend, so wusste es schon der gute alte Goethe, es bleibe ja immer die Erinnerung, die dieser hinterlassen habe. Nun wissen wir nicht, ob dieser prototypische Italienreisende damals auch schon so großartige Kapern kosten durfte, wie sie Michel Barthélémy von der Insel Alicudi, knapp nördlich von Sizilien, zu unserem Stadt Land Food Festival mitgebracht hatte. Jedenfalls lassen wir uns das in diesen Stunden zu Ende gehende Jahr 2018 noch einmal mit Euch auf der Zunge vergehen. Ist ja viel passiert, kulinarisch, gastronomisch, ernährunsgpolitisch und sowieso bei uns in der Markthalle Neun. Und sollten wir dieses Jahr auf einen Nenner bringen, dann waren es diese drei Tage im Oktober: Stadt Land Food, unser Festival für gutes Essen und gute Landwirtschaft, das wir Euch hier nochmal in einer Bilderstrecke in Erinnerung rufen. Unser diesjähriges Motto: Gutes Essen für alle. Und worum es dabei geht, hat etwa Patrick Wodni, unser Volksküchen-Koch, in diesem Interview gut auf den Punkt gebracht: „Ich frage einen Produzenten nie: Was ist dein letzter Preis? Ich frage: Was brauchst Du für deine Ware und deine Arbeit?“. Apropos brauchen: Berlin braucht die Ernährungswende. Nicht nur das Stadt Land Food Festival hat das postuliert. Der rot-rot-grüne Senat hat das so genannte House of Food auf den Weg gebracht, ein zentraler Baustein einer neuen, anderen Stadternährung, der helfen soll, die Qualität der Speisen in städtischen Kantinen und Küchen zu verbessern. Der Kick-off für eine städtische Ernährungswende. Dass das funktionieren kann, zeigt das Madhus in Kopenhagen . In der dänischen Hauptstadt kommt inzwischen über 90 Prozent des Kantinenessen aus der biologischen Landwirtschaft, ohne dass nennenswerte Mehrkosten entstanden sind. Ja mehr noch: Das Kopenhagen heute einer der internationalen Gastronomie-Metropolen ist, auch diese Entwicklung ging eigentlich erst zeitgleich mit dem Madhus los.
So gesehen könnte 2018 also das Jahr sein, in dem die Ernährunsgwende, lokal wie global, Schwung aufgenommen hat. Gut, es war auch das Jahr, in dem der Chemiekeule Glyphosat dann doch nicht die Zulassung entzogen worden war. Aber auch das erschütterte zunächst die Verbraucher und bald darauf den Aktienkurs der Bayer AG . Ist das der Anfang vom Ende einer globalisierten, monopolisierten Landwirtschaftsindustrie? Wir hatten ja in diesem Sinne etwa von Bernd Horneburg erzählt, der an der Universität Göttingen, neue, den Klimawandel antizipierende Tomatensorten züchtet, deren Samen als Open-Source-Tomaten jedem Bauern und jeder Bäuerin dieser Erde kostenfrei zugänglich sein sollen. Wir haben ja nur eine Erde. Und glauben fest daran, dass diese künftig besser schmecken wird. In unserem neuen Markthallen Restaurant etwa, dass doch irgendwie auch das alte ist. Aber davon werden wir Euch im neuen Jahr erzählen.