Schlechtes Essen macht Schule

Kopenhagen hat es vorgemacht, Berlin könnte es nun – mindestens mittelfristig – verhauen. Dabei klingt der jüngste Vorstoß der SPD die Berliner Gemeinschaftsverpflegung betreffend, zunächst einmal radikal bürgernah: Das Schulessen soll künftig bis einschließlich zur sechsten Klasse kostenfrei sein.
Nun hatte ja derselbe Senat erst im vergangenen Jahr 700.000 Euro für die Entwicklung eines House of Food nach, eben, Kopenhagener Vorbild bereitgestellt. Die Vision: Gerade die kommunale Gemeinschaftsverpflegung könne zum Motor der Ernährungswende werden. Eine nachhaltige, regional-saisonale Kantinenküche: 600.000 solcher Essen werden in der dänischen Hauptstadt täglich ausgegeben. Auch der Aufstieg Kopenhagens zur globalen Food-Metropole hat mit dem vor rund zehn Jahren initiierten House of Food seinen Anfang genommen. In Berlin sind diese Ambitionen nun zumindest die Schulkantinen betreffend auf Eis gelegt. Quantität statt Qualität, die neue Schulessenoffensive sei nur mit konventionellen Produkten und einer Convenienceküche umsetzbar. Weshalb sich etwa die Grünen explizit gegen den Gesetzesvorstoß stellen und vorschlagen, die Kosten fürs Essen nach dem Einkommen zu gliedern.
Anlässlich unseres Stadt Land Food Festivals und der Regiowoche des Berliner Ernährunsrats hatte ein breites Bündnis an Food-Aktivisten im vergangenen Oktober gezeigt, dass eine nachhaltige, regional-saisonale Schulverpflegung möglich ist. Gemeinsam etwa mit Sabine Werth, Vorsitzende der Berliner Tafel e.V., stellen wir deshalb auch die Frage, ob es nicht wichtiger wäre, in eine gesunde Ernährung und eine Ernährunsgbildung anstatt in ein Gratisangebot für alle Schüler*innen zu investieren. Wer es sich nämlich leisten kann, dem darf gutes Essen ruhig etwas wert sein.