Lauter Schokoladenseiten?

Wer dieser Tage innehält an den Gittertischen vor der Supermarktkasse voller fragwürdig gehandelter Kakaobohnen in Osterhasenform, dem kann die Lust auf die österlich-industriell produzierten Schokoladenartikel leicht vergehen.
Aber andererseits: Kann man die Welt vielleicht zu einer bessern naschen? Nimmt die From-Bean-to-Bar-Bewegung auch die Kakaobauern mit? In Vorfreude auf den kommenden Naschmarkt haben wir mit Evelyn Bahn von der Kampagne Make Chocolate fair! darüber gesprochen, ob und wie das süße Leben für alle Beteiligten funktionieren kann.

Evelyn, Ihr habt Euch mit der Make Chocolate Fair Kampagne ausgerechnet eine süße Versuchung ausgesucht. Warum der Kakao?
Schokolade ist die beliebteste Süßigkeit der Deutschen. Die wenigsten Menschen wissen allerdings, woher die wichtigste Zutat in unserer Schokolade kommt und wie die Menschen leben, die den Kakao anbauen. Die Mehrheit der 5,5 Millionen Kakaobauernfamilien lebt weit unterhalb der Armutsgrenze, Kinderarbeit gehört zum Alltag. Wir sehen die Schokoladenunternehmen, Regierungen aber auch die KonsumentInnen in der Verantwortung.

Nun ist Schokolade ja schon eines der Produkte, dass man recht einfach mit einem Fair-Trade-Siegel finden kann ...
... das immerhin schon mal zertifiziert, dass beim Kakaoanbau ökologische und soziale Standards eingehalten werden. Zum Beispiel ist Kinderarbeit und der Einsatz von bestimmten Pestiziden verboten. Doch auch die Zertifizierung garantiert nicht, dass die Kakaobauernfamilien über ein existenzsicherndes Einkommen verfügen. Aber tatsächlich ist es im Moment ein wichtiges Instrument, um Verbesserungen zu schaffen. Zum Beispiel trägt die Zertifizierung dazu bei, dass sich Kakaobäuerinnen und –bauern in Kooperativen zusammenschließen. Das stärkt die Bauern darin, ihre Rechte gemeinsam einzufordern.

Man hört gegenwärtig viel von einer from-bean-to-bar-Bewegung, seht ihr darin auch eine Avantgarde einer neuen Ethik in der Schokoladenherstellung?
Es ist schön, dass sich immer mehr Menschen mit dem Herstellungsprozess von Schokolade beschäftigen und darauf Wert legen, dass es qualitativ hochwertige Schokolade gibt. Bei den neuen Chocolatiers handelt es sich oft um Menschen, die sehr viel Leidenschaft für Schokolade haben und entsprechend das Produkt wertschätzen. Damit tragen sie zu einer wichtigen Gegenbewegung zur Fast-Food-Ernährungskultur bei.

Nun ist der Naschmarkt am 25. März eine Veranstaltung von und für kleine Manufakturen. Kann man sich als Konsument darauf verlassen. Wer handwerklich Schokolade produziert, produziert automatisch auch fair?
Weder der Begriff „fair“ noch „Bean-to-Bar“ ist rechtlich geschützt. Wenn ein Chocolatier mit „Bean-To-Bar“ wirbt, kann das entweder heißen, dass er alle Arbeitsschritte bei der Produktion der Schokolade selbst umsetzt – und zwar ab dem Zeitpunkt wo er die Bohne bei einem Händler gekauft hat. Die wenigsten kleinen Manufakturen haben direkten Kontakt zu den Kakaobauern und Kooperativen und wissen nicht unter welchen Umständen die Menschen leben, die die Kakaobohnen anbauen. Wir können also „Bean-To-Bar“ nicht mit „fair“ gleichsetzen. VerbraucherInnen sollten auch bei den kleinen Manufakturen kritisch nachfragen, woher der Kakao kommt und ob garantiert werden kann, dass die Bauern nicht in Armut leben müssen.

Auch wenn das kein Argument sein sollte: Schmeckt fairer Kakao auch besser?
Fairer Kakao sagt nicht unbedingt etwas über die Qualität aus. Aber wenn ich weiß, dass es den Kakaobauernfamilien bessergeht, schmeckt auch mir die Schokolade besser.

Foto: © INKOTA e.V.