Kunst allein macht nicht satt

Die Markthalle zu Gast ... im Museum:
Food Revolution 5.0 im Kunstgewerbemuseum

Eine Streuobstwiese begrünt seit einigen Tagen das doch eigentlich eher betonversiegelte Entree des Kunstgewerbemuseums auf dem Berliner Kulturforum. Dieser Akt der Dekontextualisierung deutet es bereits an: Die aus dem Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe importierte Ausstellung Food Revolution 5.0 hat durchaus Hunger auf Veränderung. Sie nimmt sich ein Feld zum Thema, welches die gegenwärtigen Transformationsprozesse unserer Gesellschaft und mithin die zentralen Fragen der Zukunft vielleicht am grundsätzlichsten und unmittelbarsten verhandelt: unser täglich Brot. Und, ja, einige der im Kunstgewerbemuseum allzu verstreut gezeigten Arbeiten sind durchaus klug, pointiert oder im besten Fall auch beides gleichzeitig. Beispielhaft etwa Hanah Alkouhs aus Algen nachgebildete Fleischbeschau : die Metzgerei als optische Täuschung. Oder Klaus Pichlers buchstäblich lebendige Stilleben (Foto). Dann aber gibt es diese Momente, in denen die Kunst, und die sehr klassische Institution eines staatlichen Museums, doch auch zugeben muss, wie sehr sie den zeitgenössischen Diskursen (und den zukünftigen Technologien) hinterherhinkt: Kräuter und Radieschen sprießen auf einer Terrasse des Kulturforums – vor zehn Jahren war das mal Avantgarde. Heute aber würden wir viel lieber etwas davon erfahren, inwieweit Dachbegrünungen und Indoor Farming nicht auch zum Markenzeichen einer neuen, neoliberalen Stadt zu werden drohen. Und wenn Carolin Schulze einen Falschen Hasen mit dem 3D-Drucker plottet, wäre immerhin der Hinweis schön, dass ein Süßwarenhersteller am Hackeschen Markt schon seit längerem mit Weingummi 3D-druckt. Kurz: Die Kunst scheint noch bei der Vorspeise,
wo all jene, die sich kritisch, wissenschaftlich oder auch nur marktwirtschaftlich mit der Zukunft der Lebensmittel beschäftigen schon beim Hauptgang angekommen sind. Hoffen wir, dass zwei jeweils viertägige Food-Märkte und diverse Workshops (etwa übers Insektenessen oder zum Lebensmittelretten) diese Food-Revolution noch mit Leben, und mit Relevanz, füllen werden.

Food Revolution 5.0 – Gestaltung für die Gesellschaft von Morgen
bis zum 23. August, Di-Fr 10-18 Uhr, Sa&So 11-18 Uhr,
Eintritt acht, ermäßigt vier Euro