Kein Quatsch mit Soße

Gutes Essen für alle soll es geben! Da sind sich alle einig. Von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner bis zur rot-rot-grünen Berliner Regierung, die im Koalitionsvertrag festgehalten hat, "den Anteil an Bio-Essen in Kindertagesstätten, Schulen, Kantinen, Mensen und beim Catering in öffentlichen Einrichtungen bis 2021 deutlich erhöhen“ zu wollen. 700.000 Euro wurden vom Senat bereitgestellt, um für Berlin, als erstes Bundesland überhaupt, eine übergreifende Ernährungsstrategie anzustoßen.
Schön und gut, aber geht das überhaupt, gutes Schulessen für alle, und gerade die Kinder, für die nicht in alternativen Schulkonzepten eh schon gut gekocht wird? Dass das geht – bio und regional – wollen elf Schulcaterer gemeinsam mit dem Berliner Ernährungsrat in der am Montag beginnenden Regiowoche zeigen.
Der Plan: 50.000 Kinder an 276 Berliner Schulen essen die Woche über vier Gerichte und finden raus, wo die Zutaten herkommen. Die vier Tonnen Kürbisse für die Suppe am Donnerstag aus dem Oderbruch vom Bauernhof Erz zum Bespiel. Oder die zehn Tonnen Quark von der Lobetaler Bio-Molkerei bei Bernau im Norden von Berlin. Weil man nicht alle Kinder direkt aufs Feld holen kann, haben die Macher der Regiowoche, Bauern und verarbeitende Betriebe besucht und zeigen den Kindern in Filmen , wer das Getreide für die 18.000 Scheiben Märkisches Landbrot mäht und drescht.
Gezeigt hat sich in den Vorbereitungen für die Woche aber auch: Es ist noch viel zu tun, damit so ein Schulessen zum Alltag wird. So groß sind die Strukturen, dass man keine verarbeitenden Betriebe zum Kartoffelschälen und Apfelmusmachen in Brandenburg finden konnte. Und klar, die 3,25€, die ein Schulessen pro Kind und Tag kosten darf, sind ein anderer Knackpunkt. Die Mehrkosten in der Aktionswoche werden von den Caterern getragen. Aber um langfristig für diesen Preis ein regionales Bio-Essen auf den Tisch zu bringen, muss viel und vor allem ganzheitliches passieren. Das geht nur mit einer Küche, die alles verwertet – alle Teile vom Tier, nicht nur das Schnitzel – und in der Reste vermieden oder zu neuen Gerichten gemacht werden. Mit einer Küche, die Gemüse in den Mittelpunkt rückt und mit Köchen, die direkt mit ihren Bauern sprechen. Ihnen auch die krummen Möhren abnehmen, das Beste aus saisonaler Fülle machen und für die Zukunft vorsorgen: fermentieren und einwecken.
Eines jedenfalls sei ihm klar geworden, sagt Projektkoordinator Daniel Diel, die Wirkung, die man schon durch kleine Änderungen in der Gemeinschaftsverpflegung für die Unterstützung kleiner Bio-Betriebe, für die regionale Wertschöpfung und eine vielfältige Landschaft erzielen kann, sind enorm! Denn Berlin hat viele Esser – und die Zukunft kommt erst noch!