Hunger auf Veränderung

Wie wird die Stadt zukünftig satt? Zumal, wenn künftig zwei Drittel der Weltbevölkerung in Großstädten oder urbanen Agglomerationen leben ? Berlin hatte darauf einmal eine Antwort. Der Berliner Großmarkt, seit 1965 an der Beusselstraße in Moabit zuhause, sortierte genauso wie die Berliner Markthallen den Lebensmittelverkauf und das Lebensmittelhandwerk in einer Epoche der Industrialisierung neu. Gutes, hygienisch einwandfreies Essen für alle – das war das Ziel und die Aufgabe.
Manche Fragestellungen sind gleich geblieben, andere haben sich geändert. Wir als Markthalle Neun haben vor sechs Jahren eine der historischen Berliner Markthallen übernommen, um dort eine zukunftsfähige Lebensmittelpraxis zu realisieren, nachhaltig, fair, qualitätsbesessen und kleinteilig organisiert. Kleinteilig organisiert sind auch die mittelständischen Händler auf dem Großmarktgelände. Auch weil sie diesen Status zunehmend als gefährdet betrachten, haben sich rund hundert in der Beusselstraße ansäßige Betriebe nun zu einer Interessengemeinschaft zusammengeschlossen . Ihr Ziel: Sie wollen den Großmarkt künftig gemeinsam und genossenschaftlich führen.
Wir von der Markthalle Neun unterstützen die Idee einer kleinteiligen Lebensmittelwirtschaft und glauben an das Potential eines innerstädtischen Großmarktgeländes – dem Bauch von Berlin. Wir wissen aber auch, dass sich unser Ess- und unser Konsumverhalten verändern muss. Regionalität, Saisonalität, weniger Industrie und mehr Handwerk. Auch darüber wollen wir mit den Großmarkthändlern reden, wenn sie ihre besondere Großmarktstimmung am Samstag, 23. September, mit auf unserem Wochenmarkt bringen . Samt Gabelstaplern und palettenweise Ananas.
Auch, weil es dabei um nicht weniger geht, als eine neue, zukunftsfähige Ernährungspolitik haben wir uns dafür den Samstag vor der Bundestagswahl ausgesucht. Schließlich haben wir alle tagtäglich die Wahl, nicht nur an der Wahlurne.