Grätchenfragen

Butter bei die Fische geben. Das sagt man so. Wissen bei die Fische geben. Das ist es, worum es Baaf Vonk, Roel van Vliet und ihrem Stand Küstlichkeiten bei uns in der Markthalle Neun geht. Dafür kommen sie jeden Donnerstag aus den Niederlanden nach Berlin, im Gepäck nachhaltig gefangenen Fisch und Austern aus der Nordsee und dem Wattenmeer, von den Goede Vissers , den guten Fischern, die so heißen, weil sie etwas machen, was eigentlich einer Sisyphusarbeit gleicht: im Jahr 2017 noch als nachhaltiger, handwerklicher Fischer ein Auskommen finden. Gerade sind handwerkliche Fischer aus Italien und der ganzen Welt in Genua zur Slow Fish zusammengekommen. Auch Baaf Vonk war dort. Uns musste er unbedingt davon erzählen.

Baaf, wir alle kennen inzwischen Slow Food, aber was ist Slow Fish genau? Es ist eine Slow Food Kampagne, also quasi der Teil von Slow Food, der sich um die Fischer kümmert. Aber das stimmt natürlich nur so halb, den genauso kümmert sich Slow Fish um die Fische und um die Meere. Vielleicht wird beim Thema Fisch einfach besonders deutlich, dass alles zusammenhängt. Dass die Überfischung beispielsweise nicht nur die Fischbestände limitiert, sondern genauso einen Berufsstand gefährdet und ein Ökosystem.

Woher kamen die Fischer und die Menschen auf der Slow Fish? Oh, sie kamen aus der ganzen Welt. Natürlich kam der Großteil aus Italien, Slow Food hat dort seinen Anfang genommen, die Slow Fish war in Genua. Aber genauso waren Nordseefischer da, Binnenfischer aus Deutschland und sogar Japaner.

Eint alle dieselben Fragen, dieselben Probleme? Schon, ja. Allen geht es darum, wieder mit dem Meer zu arbeiten und nicht dagegen, mit den Jahreszeiten und gegen die großen Trawler, die weiter draußen die Meere leer fischen. Und es gibt wieder mehr Menschen, die so denken, die so fischen.

Was machen die? Und was machen die anders? Italienische Fischer haben beispielsweise von einer Form der Renitenz, des zivilien Ungehorsams erzählt: vor Italiens Küste versenkte Betonkörper, die das Meer für die großen Trawler unfischbar machen. Das Fischerhandwerk holt sich seinen buchstäblichen Lebensraum zurück. Es bleibt ein Kampf David gegen Goliath, da hilft so eine Veranstaltung, Gemeinschaftssinn und Rückendeckung zu spüren.

Was hast Du von der Slow Fish für Deine Arbeit hier am Stand von Küstlichkeiten mitgenommen? Dass es darum gehen muss, die Fischer wieder zu den Konsumenten zu bringen, und die Konsumenten zu den Fischern. Und darum, ein komplexes Produkt, welches der Fisch vielleicht ist, immer wieder zu erklären. Ich meine, ein Metzger hat vielleicht drei Fleischsorten, bei uns ist jeder Fisch anders. Um so weiter ich von der Küste wegkomme, um so weniger gehört der Fisch noch zum üblichen Küchenwissen. Wie zubereiten, wie filetieren? Welchen Fisch kann ich noch bedenkenlos essen, welcher Fisch hat gerade Saison?

Fisch hat Saison? Siehst Du, genau darum geht es. Wir sind nicht nur Verkäufer, ihr nicht nur Konsumenten. Wir machen gemeinsam etwas, das macht Spass und Arbeit, aber im Ergebnis bringt es mehr, als dass es einfach nur gut schmeckt.