Glyphosat, Massenblumenhaltung und kein Würstchen aus Brandenburg

Oder: Warum wir unsere Lebensmittel nicht der Industrie überlassen sollten.
Toll was Blumen machen . Es gibt tatsächlich eine Internetseite, die genau so heißt. Also: tollwasblumenmachen.de. Dort zu sehen ist dann etwa ein total tolles Filmchen mit zwei total tollen Frauen, die sich einen Heiratsantrag machen. Ja, zwei Frauen. Und ein total toller Blumenstrauß. Toll, wie da Geschlechterrollen so ganz und gar aufgeklärt ... als Werbeträger für hochgezüchtete Industrieblumen fungieren. Hinter tollwasblumenmachen.de steckt das Blumenbüro Holland , das sich nach eigener Auskunft darum sorgt „dass Blumen und Pflanzen bei jedem Deutschen ganz oben auf der Prioritätenliste stehen.“ Wir wünschen uns da eher Menschen, die auch beim Blumenstrauß darauf achten, dass er möglichst regional, saisonal und chemiefrei aufwachsen durfte. Verweisen auf eine Langzeitstudie des Entomologischen Vereins Krefeld, wonach die Insektenmasse in den letzten 27 Jahren um 75 Prozent zurückgegangen ist und dafür unter anderem die intensivierte Landwirtschaft mit Pestiziden und schrumpfenden Lebensraum für Insekten eine plausible Erklärung ist. Und empfehlen derweil den Blumenstand bei uns in der Halle. Christoph und Ulrike sind nämlich auch biologische Blumen-Gärtner – und nicht bloß Blumenverkäufer.
Wilhelm von Brandenburg ist nichtmal ein Mensch. Wilhelm von Brandenburg ist die Fleischfabrik der REWE-Gruppe, wobei richtigerweise von vielen verschiedenen Fleischfabriken geredet werden müsste. Industrielles Rumwusrten also – dabei gerieten nun Rückstände von Reinigungsmitteln in den Aufschnitt . Mit sauberer Wurst hat das nichts zu tun und erst recht nicht mit einer Achtung vor dem Tier und dem Handwerk.
Wo wir schon vom Dreck reden: Über Glyphosat gibt es leider nur zu vermelden, dass es nichts zu vermelden gibt. Bayer will den Glyphosat-Monopolisten Monsanto noch immer für 66 Milliarden Euro kaufen . Und in der Europäischen Union hat man sich – bei Stimmenthaltung Deutschlands – wohl bereits darauf geeinigt, das Unkrautbekämpfungsmittel für mindestens weitere fünf Jahre zuzulassen . Eines der vielen Probleme dabei: Glyphosat ist zentraler Baustein in einer gentechnisch modifizierten Saatgutpolitik, deren Langzeitfolgen niemand überblickt und die sehr kurzfristig bereits zu einer Limitierung der geschmacklichen Vielfalt sorgt.
Wir hoffen auf eine einsichtige EU-Kommission und werden künftig an dieser Stelle immer wieder schwer verdauliche Happen aus der wahren Welt der Lebensmittelwarenwelt reichen. Wir haben nämlich Hunger auf Veränderung.