Eine Frage des Mehrwerts

Nein, der Scherz wäre zu billig, in diesem Fall von einer Behördenwillkür zu sprechen. Und doch: Das Bundesumweltamt hat in der vergangenen Woche die Empfehlung ausgesprochen, Fleisch- und Milchprodukte künftig mit dem regulären Mehrwertsteuersatz von 19 Prozent zu besteuern – und nicht mehr mit sieben Prozent, wie er für die meisten Lebensmittel üblich ist. Tiere, Kühe allzumal, stinken, so das Bundesumweltamt, nämlich zum Himmel. Und tragen damit Ihren großen Teil zum klimaschädlichen Kohlendioxidausstoss bei. Stimmt schon, irgendwie. Und doch macht es sich diese Argumentation allzu einfach. Was ist mit den Rindern auf der weitläufigen Weide, deren gesunde Grasnarbe in ihrem saftigen Grün verlässlich CO2 speichert. Und wo ist eine Monokultur aus Raps mit den damit verbundenen Bodenerosionen und dem unwiederbringbaren Schaden für eine kleinteilige, bäuerliche Landwirtschaft umweltverträglich und deshalb einen reduzierten Steuersatz wert. Reinhild Benning von der Umweltorganisation Germanwatch , und zudem Mitglied im Ernährungsrat Berlin , in dem sich auch die Markthalle engagiert, hat in einem Beitrag für den MDR entscheidende Impulse gegeben. Eine nachhaltige Lebensmittelpolitik beginnt dort, wo man nicht mehr versucht, der Nachhaltigkeit mit Pauschalurteilen zu helfen. Ganz so einfach ist das mit guten, für Mensch, Tier und Natur fairen Lebensmitteln nämlich nicht.

Bild: LandWert Hof , dort grasen die Kühe tatsächlich auf der Weide.