Ein Brief an alle Nachbarn, Kunden und Gäste der Markthalle

Mitte Februar haben wir angekündigt, dass im Laufe des Jahres spätestens im ersten Quartal 2020 ein dm-Markt auf der Fläche von ALDI in die Markthalle einziehen wird. Daraufhin haben wir viele Nachrichten und Mails bekommen, die wir in einem offenen Brief beantwortet haben. Hier könnt ihr ihn nochmal nachlesen:

Liebe Nachbarinnen und Nachbarn, liebe Kunden und Gäste,

wir haben uns dafür entschieden, den ALDI Markt bei uns in der Halle durch einen dm Drogerie-Markt zu ersetzen. Dies ist eine konzeptionelle Entscheidung, die wir gefällt haben um die Entwicklung des kleinteiligen Lebensmittelangebotes in der Halle zu stärken.
Viele von Euch haben sich nach der Ankündigung des Auszugs von Aldi an uns gewandt: Mit sehr persönlichen Mails, Nachrichten und Besuchen. Mit einem Engagement für den Kiez, das uns an die Energie von vor 10 Jahren erinnert, als wir gemeinsam mit der Nachbarschaft für den Erhalt der Markthalle als Wochenmarkt und gegen die Umwandlung in einen weiteren x-beliebigen Supermarkt gekämpft haben. Wir respektieren dieses Engagement!

Die Kündigung von ALDI richtet sich nicht gegen die MitarbeiterInnen der Filiale oder die MitarbeiterInnen in der Berliner Zentrale dieses Konzerns. ALDI hat uns bestätigt, dass aufgrund der Kündigung des Mietvertrages kein/e MitarbeiterIn seinen/ihren Job verlieren wird. Und genauso wenig richtet sich die Kündigung gegen die Kunden von ALDI. Wir teilen die Ängste vor Verdrängung und einer grassierenden Gentrifizierung. Wir sind jedoch überzeugt, dass Discounter und ihre Geschäftspraktiken keine Antwort auf diese Probleme bieten. Die wahren Kosten für die scheinbar so günstigen Preise im Discounter Regal zahlen andere, auf den Plantagen und Feldern, in Schlachthöfen und Fabriken – sie verschwinden nicht. Sie werden ausgelagert und exportiert – und müssen am Ende doch von uns allen getragen werden.

Durch den Auszug von ALDI aus der Halle muss niemand eine Unterversorgung durch Discountern hier in der direkten Nachbarschaft fürchten. Es gibt allein im Umkreis von zwei Kilometern der Halle vier weitere ALDI Filialen, mehrere Pennys, und einen Lidl Markt in 250m Entfernung.

Viele solidarisieren sich mit Kleingewerbetreibenden hier in der Nachbarschaft und versuchen die Schließung kleiner Läden und Betriebe aufzuhalten. Auch wir in der Halle setzen aktiv etwas gegen diese Entwicklung! Unsere Händler und Produzenten sind Menschen, die hier vor Ort kleine Unternehmen gegründet, sich als Bäckerinnen, Brauer, Metzger, als HändlerInnen und Gastronomen ihre Existenz aufgebaut haben. Die Markthalle, das sind und waren nie nur die drei Betreiber. Die Markthalle, das ist eine Gemeinschaft mit vielen Gesichtern, die hier jeden Tag arbeiten und leben. Insgesamt bieten sie und ihre kleinen Betriebe Beschäftigung für über 450 Leute!! Wir glauben daran, dass es genau die kleinen inhabergeführten Läden sind – nicht nur in der Markthalle selbst, sondern auch in den Straßen drumherum – die die Kiezstruktur stärken. Die Kreuzberg vielfältig und vielstimmig machen. Es muss gar kein Einkauf in der Halle sein – auch ein Einkauf beim Bäcker vor Deiner Tür hilft uns allen! Anders als beim Discounter bleibt das Geld, das man dort ausgibt hier im Kiez bei den Gewerbetreibenden – es ist ein Akt der lokalen Wertschöpfung.

Die Markthalle ist ein Experiment – unser Ziel ist es, machbare Alternativen zu einer industriellen Landwirtschaft und einem von wenigen Handelsriesen dominierten Lebensmittelmarkt aufzuzeigen. Wir wollen starke regionale Netzwerke aufbauen, die uns hier in der Stadt versorgen und die unseren Kiez durch ihre Vielfalt bunter machen, als es ein überall gleiches Discounterangebot schaffen kann! Die Wiederbelebung des Marktes ist ein kontinuierlicher, offener Prozess – mit Rückschlägen, aber auch ganz alltäglichen Erfolgsgeschichten. Wir stellen uns hier die Frage: Wie kann eine lebendige Markthalle im 21. Jahrhundert funktionieren?

Die Entscheidung für dm ist vor allem eine Entscheidung für die vielen kleinen Händler in der Halle und im Kiez! Durch dm schaffen wir ein ergänzendes Angebot für den Wochenmarkt. Eine Anregung und Einladung festzustellen, dass man saisonales Gemüse zu vergleichbaren Preisen auch auf dem Markt kaufen kann. Grundlage für unsere Entscheidung waren die Wünsche aus der Nachbarschaft, ein gutes Basis-Drogerieangebot mit Hygieneartikeln, Putzmitteln, Babynahrung etc. in der Halle zu schaffen. Ganz einfach weil es hier im Kiez fehlt. Wir haben mit dm besprochen, dass es zusätzlich eine große Auswahl an trockenen Lebensmitteln wie Mehl, Nudeln, Kaffee, Müsli & co gibt.

Wir sind zuversichtlich, dass der Markt in naher Zukunft von Montag bis Samstag ganztags eine Grundversorgung mit einem vielfältigen und – auch preislich gefächerten – Angebot an Obst- und Gemüse, Milchprodukten, Eiern, Brot und Fleisch bereithält.

In den letzten acht Jahren ist die Halle wieder zu einem vielfältigen und bunten Ort geworden, der über 450 Menschen einen Arbeitsplatz bietet. Diesen Weg gehen wir weiter und sind auch weiter offen für einen sachlichen und fairen Dialog mit der Nachbarschaft – dazu sind wir mit verschiedenen Nachbarschaftsvereinen und -initiativen im Austausch.
Denn wir glauben, dass es am besten ist miteinander statt übereinander zu reden.

Euer Markthalle Neun Team

Wir freuen uns weiterhin über Eure vielen Zuschriften, Zweifel, Kritik, aber auch Freude über die Entwicklungen in der Halle und den Einzug von dm. Zu einigen Vorwürfen, Fragen und Unterstellungen möchten wir euch an dieser Stelle antworten.

Wir wollen auch weiterhin daran arbeiten, die Markthalle zu einem Ort für alle zu machen. Fühlt euch eingeladen, am laufenden Prozess teilzunehmen und ihn mit zu gestalten. Schreibt uns Eure Ideen, eure Kritik an: hallefueralle@markthalleneun.com

Am 9. April gab es ein moderiertes Gespräch in der Markthalle Neun, das Ergebnisprotokoll dieses Treffens findet Ihr hier.

Die Frage lautet: “ Wer genau hat warum ALDI gekündigt?“ Der Mietvertrag mit ALDI wurde am 1.1.2016 auf fünf Jahre bis zum 31.12.2020 abgeschlossen. Um auf die dynamische Entwicklung unseres Wochenmarktes reagieren zu können, wurde die Möglichkeit für eine vorzeitige Auflösung des Vertrags vereinbart.

Wir haben von diesem Kündigungsrecht Gebrauch gemacht und zum 31.7.2019 gekündigt. Durch die vorzeitige Auflösung des Mietvertrages steht ALDI eine Abstandszahlung zu, deren Höhe sich nach den von ALDI getätigten und uns nachzuweisenden Investitionen bestimmt. ALDI hat uns bestätigt, dass aufgrund der Kündigung des Mietvertrages kein/e Mitarbeiter*in seinen/ihren Job verlieren wird. Die Gründe für die Kündigung haben wir in unserem offenen Brief dargelegt. Es geht uns um die Stärkung des kleinteiligen Lebensmittelangebots in der Halle. Der Vorwurf lautet: “Die Betreiber geben vor, eine “Halle für Alle” machen zu wollen!” Der Slogan “Halle für alle” stammt von der Anwohnerinitiative Eisenbahn.MarktundKultur.Halle. Zitat Flyer vom 21. Januar 2011: “Die neue Markthalle IX soll wieder eine “Halle für alle” werden. KundInnen sollen preiswert und qualitätsvoll einkaufen können, HändlerInnen durch ihre Arbeit Einnahmen erzielen, von denen sie leben können. Es muss sich für alle rechnen!”.

Unsere Vision war und ist: Die Eisenbahnmarkthalle als echten, kleinteiligen, überdachten Marktplatz wiederzubeleben mit einer Vielfalt an Angebot und kulturellen Veranstaltungen. “Halle für alle” heißt für uns zudem, dass es für alle funktionieren und sich rechnen muss: Für die Kunden, aber auch für die Händler und Produzenten, die hinter den ehrlichen Lebensmitteln stehen. Der Vorwurf lautet: "Niemand im Kiez kann sich die Lebensmittel in der Markthalle leisten!" Neben Bio-Lebensmitteln gibt es auch ein Angebot an konventionellem Obst & Gemüse aus der Region, das – wenn in Saison – sogar günstiger ist als beim Discounter. Beispiel: Obst- und Gemüseanbau Kolkwitz aus Werder (Di + Sa) und Gemüsehof Baronick (Fr+Sa) aus dem Spreewald. Außerdem gibt es den Multi-Kulti Supermarkt (Mo-Sa), der täglich frisches und günstiges Obst & Gemüse anbietet.

Dieses Angebot möchten wir in Zukunft ausbauen und sind überzeugt, dass durch den Einzug von dm der Wochenmarkt gestärkt wird. Was wir nicht abdecken, sind industrielle Fertiggerichte und Tiefkühlprodukte. Einige machen den Preisvergleich:Um Lebensmittel in kleinteiligen Strukturen zu vertreiben und so zu produzieren, dass alle, auch diejenigen, die sie produzieren – die Bäuerinnen und Bauern, Metzger*innen und Bäcker*innen – davon leben können, brauchen unsere Lebensmittel einen realen Preis. Bauern, die für den Liter Milch vom Handel weniger bekommen, als es sie gekostet hat, ihn zu produzieren, müssen über kurz oder lang aufgeben.

Dennoch gibt es auch günstige Alternativen zu den großen Strukturen des dominierenden Lebensmitteleinzelhandels und zu den Discountern. Ein Preisvergleich zeigt, dass auch Obst und Gemüse vom Berliner Großmarkt im Multi-Kulti Supermarkt vorne in der Eisenbahnstraße oder regionales Obst und Gemüse auf dem Wochenmarkt ähnliche Preise hat, wie im Discounter: Der Vorwurf lautet: "Die Produkte in der Halle sind so teuer, weil die Mieten für die Händler so hoch sind!"Richtig ist: Die Miete eines Standes auf dem Wochenmarkt beträgt 30€/Tag. Das entspricht den üblichen Mieten auf anderen privaten Wochenmärkten. Wer einen dauerhaften Stand betreiben möchte, zahlt im Monat 390€ Miete. Das entspricht einer Wochenmiete von 90€. Die Logik dahinter ist folgende: Wer die ganze Woche mietet zahlt drei Tagesmieten. Wer also am Donnerstag, Freitag und Samstag Miete zahlt, kann am Montag, Dienstag und Mittwoch verkaufen ohne extra Miete zu zahlen. Daraus ergibt sich eine monatliche Miete von 65€/qm Standfläche (=3 Tage* 30€/6qm*4,33 Wochen). Im Vergleich zu normalen Ladenmieten beziehen sich die Angaben auf Nettoflächen (“laufende Thekenmeter”), da Verkehrsflächen, Toiletten, Eingangsbereich, Sozial- und Gasträume bereits mit drin sind. Die Miete ist im Einzelhandel ein wichtiger Kostenfaktor. Entscheidend sind aber – gerade auf Märkten – die Personalkosten.

Ein/e Anwohner*in fragte: “Trifft es zu, dass die Standmieten seit der Eröffnung gestiegen sind?”Nein.

Eine Anwohner*in forderte: “Ich möchte die Offenlegung von Mietverträgen!” Eine Anwohnerinitiative fordert die Offenlegung der Verträge von “Multi-Kulti-Markt” und "Bones Kantine.”Wir haben bereits die generelle Miete für Stände in der Markthalle offengelegt. Wir bitten um Verständnis, dass wir darüber hinaus gehende Informationen über individuelle Mietverhältnisse mit einzelnen Händlern an dieser Stelle nicht veröffentlichen werden.

Ein/e Anwohner*in forderte: “Ich fordere die Offenlegung von Finanzen!”Wir halten uns an die gesetzlichen Vorschriften bzgl. der Veröffentlichung von betriebswirtschaftlichen Unternehmensdaten. Bei der Markthalle Neun GmbH sind 46 Arbeitnehmer*innen in Vollzeit und sozialversicherungspflichtig angestellt. Wir zahlen unseren Mitarbeitern Gehälter über Mindestlohn und zahlen unsere Steuern hier. Wir sind ein Ausbildungsbetrieb.

Ein/e Anwohner*in fragte: “Wer ist der vierte Investor Bernhard Lill?”Die Markthalle wird von der Markthalle Neun GmbH betrieben. An dieser Gesellschaft sind wir drei, Florian, Bernd und Nikolaus bzw. unsere Familien zu gleichen Teilen beteiligt. Eigentümer der Immobilie ist die Markthalle Neun Verwaltungs UG & Co. KG. An dieser Gesellschaft ist neben uns dreien Bernhard als Minderheitsgesellschafter beteiligt. Als Minderheitsgesellschafter kann er also weder über die weitere Entwicklung der Halle noch den Verkauf der Halle alleine oder gegen unsere Willen entscheiden. Bernhard hat uns im Rahmen des damaligen Vergabeverfahrens ehrenamtlich beraten. Er ist heute als Einzelanwalt tätig. Als die Finanzierung im Sommer 2012 zu scheitern drohte, ist er auf unsere Bitte als Privatperson und Bürge gegenüber der Bank eingesprungen. Dafür waren und sind wir sehr dankbar! Zudem verfügt er über Immobilien Know-how, das wir selber nicht haben und das damals beim Verkauf der Halle vom Land Berlin auch explizit gefordert war.

Ein Vorwurf lautet: “Ihr wollt die Halle ruinieren, und dann meistbietend verkaufen!”Nein. Ein Weiterverkauf ist nicht geplant. Eine Markthalle mit ALDI Filiale wäre zudem sehr viel attraktiver für Immobilienspekulanten als ein kleinteiliger Wochenmarkt. Letzteres war und bleibt unser erklärtes Ziel.

Ein/e Anwohner*in sagt: “Ihr nutzt Wohnraum als Büros für euch und eure Händler! Das ist Zweckentfremdung von Wohnraum!”In der Baugenehmigung für die Markthalle ist eine rein gewerbliche Nutzung vorgesehen. Seitdem liegt unseres Wissens nach kein Antrag und auch keine Genehmigung für die Umwandlung von Gewerbe- in Wohnraum vor.

Ein/e Anwohner*in behauptete: “Wie aus einer aktuell veröffentlichten Drucksache der BVV Friedrichshain-Kreuzberg hervorgeht, haben die Betreiber der Markthalle 9 mit dem Abschluss eines Mietvertrages mit dem Drogerie-Konzern „dm“ gegen die Bestimmungen des Kaufvertrages (mit der Stadt) verstoßen!”
Nein, das stimmt nicht. Richtig ist, dass im Kaufvertrag eine Nutzungsbindung festgeschrieben wurde, die uns für einen Zeitraum von 15 Jahren verpflichtet, bestimmte Änderungen vom Nutzungskonzept mit dem Verkäufer abzustimmen. In Bezug auf den Mieterwechsel zu dm wäre das z.B. der Fall, wenn sich dadurch die Fläche für dm im Vergleich zu Aldi um mehr als 20% vergrößert.

Ein/e Anwohner*in fragte: “Warum habt ihr das Konzept, das ihr versprochen habt, nicht eingehalten?” Und liest folgenden Satz vor: ”Hier steht der türkische Metzger neben dem Biogärtner aus Brandenburg und der libanesische Fladenbrotbäcker neben der Berliner Blutwurstmanufaktur. Zwischen den reich gefüllten Ständen tummeln sich Menschen jeden Alters, aller sozialen Schichten und Nationalitäten.”Die zitierten Sätze stammen aus unserem Konzept aus dem Jahre 2010. Es handelt sich hier um unsere Vision, die wir heute auch so unterschreiben würden. Einiges davon konnten wir erreichen. Anderes ist uns bislang nicht gelungen. So ist zum Beispiel die Metzgertheke aus dem Multi-Kulti Supermarkt leider verschwunden, dafür hat sich ein handwerklicher Metzgerbetrieb erfolgreich neu gegründet und bildet aus.


Hier der ungekürzte Absatz: “Wo anderenorts gesichtslose Einzelhandelskonzerne das Stadtbild eines Kiezes und die Lebensmittelkultur seiner Anwohner bestimmen, ist unsere Vision für die Eisenbahnmarkthalle eine andere: Hier steht der türkische Metzger neben dem Biogärtner aus Brandenburg und der libanesische Fladenbrotbäcker neben der Berliner Blutwurstmanufaktur. Kartoffeln und Äpfel mitten in der Großstadt und doch wie aus Omas Garten. Der frische, regionale Fisch schwimmt im Aquarium bis er beim Kauf vor den Augen des Kunden geschlachtet und ausgenommen wird. Nebenbei erklären Händler die Herkunft ihrer Waren und geben Tipps für die Zubereitung. Zwischen den reich gefüllten Ständen tummeln sich Menschen jeden Alters, aller sozialen Schichten und Nationalitäten. Im Morgengrauen Frühstückstreff der Nachtschwärmer und Taxifahrer, ist die Markthalle ix tagsüber beliebtes Ausflugsziel für Gäste aus aller Welt. Am Abend treffen sich die Anwohner beim täglichen Einkauf an der Metzgertheke und verweilen auf ein Glas Bier oder Wein. Die Kultur des Marktplatzes als Stadt in der Stadt, als Anfang und Verdichtung allen städtischen Lebens.”

Ein/e Anwohner*in fragte: “Die Halle hat Potential. Es wäre wichtig zu hören, was ihr mittelfristig bis langfristig damit vor habt!”Wir glauben an unsere Vision, die wir von Anfang an mit der Markthalle hatten: Ein lebendiger Marktplatz - mit vielen kleinen HändlerInnen, die für alle an der Wertschöpfungskette beteiligten funktioniert: Die Bauern, MetzgerInnen, HändlerInnen und natürlich die KundInnen.


Wir wollen auch, dass die Halle ein Labor dafür wird, wie sich die Stadt im 21. Jahrhundert ernährt. Wir wollen, dass die Ernährungswende bei uns gesellschaftlich und politisch diskutiert wird. Wir wollen keine Gruppen ausgrenzen, sondern mitnehmen. Nicht belehrend und dogmatisch, sondern aufklärerisch. Wir wollen Ideen und Konzepte für eine sozial gerechte Ernährungswende gestalten und fragen uns: Was können wir dazu beitragen?


Das zeigt uns gerade der Prozess, den wir gestartet haben. Unsere Aufgabe ist es nun, dafür Konzepte zu entwickeln. Diese Aufgabe nehmen wir an.

Ein/e Anwohner*in fragte: “Was hat es mit dem House of Food auf sich?”Die Idee dahinter ist ein Beratungs- und Weiterbildungszentrum, das Köch*innen der Gemeinschaftsgastronomie in Berliner Schulen, Kitas, Krankenhäuser und Betrieben darin unterstützt, die Qualität des Essen zu verbessern und auf regionale Bio-Lebensmittel zu setzen – und das ohne Mehrkosten für die essenden Gäste.


Das Projekt, das die Senatsverwaltung für Justiz und Verbraucherschutz nun in Berlin im Rahmen ihrer Ernährungsstrategie umsetzt, orientiert sich an einem in Kopenhagen erfolgreich umgesetzten Modell.
Mehr Informationen dazu gibt es in diesem in diesem taz Artikel.


Für die Umsetzung des Projektes wird nun ein Projektträger gesucht. Interessenten mussten ihr Interesse gegenüber der Senatsverwaltung bis zum 27.03.2019 bekunden. Dies hatten wir nicht vor und haben wir nicht getan. Die Idee für ein solches Projekt finden wir allerdings super. Wir können uns vorstellen, dass sich dieses Zentrum für gutes Essen bei uns ansiedelt – nicht zuletzt weil diese Räume für Bildungsmaßnahmen auch für Anwohner*innen, Schulen und Kitas hier im Viertel zur Verfügung gestellt werden könnten.


Wir haben daher schon sehr frühzeitig geprüft, ob eine solche Einrichtung bau- und denkmalschutzrechtlich auf dem Supermarktgebäude in der Markthalle Platz finden könnte und haben mit mehreren potenziellen Projektträgern gesprochen. Eine Entscheidung dazu ist noch nicht gefallen und wäre de facto auch unabhängig von einer Nutzung im Erdgeschoss.

Ein Vorwurf lautet: “Das Versprechen war immer, dass der Aldi drin bleibt!”Unser Konzept sah von Anfang an eine Zukunft der Markthalle mit vielen kleinteiligen Unternehmen vor, die langfristig die Discounter ersetzen sollten. 2009 gab es eine öffentliche Ausschreibung der Stadt zum Verkauf der Halle. Dank des Engagements einer Anwohnerinitiative wurde die Halle nicht an den Höchstbietenden, sondern per Konzeptverfahren für den Festpreis von EUR 1,15 Millionen verkauft. Ziel und Grundkonsens dieser Ausschreibung war es, die Eisenbahnmarkthalle als kleinteiligen Marktplatz wiederzubeleben.


Alle 19 eingereichten Konzepte sahen (langfristig) eine Halle ohne Discounter vor. Unser Konzept wurde durch ein vom Land Berlin eingesetztes Expertengremium unter Beteiligung der Bezirks- und der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung ausgewählt. Zudem wurde bei einer öffentlichen Veranstaltung von einigen hundert NachbarInnen mehrheitlich für unser Konzept gestimmt; die Nutzungsbindung ist dem Kaufvertrag angehängt und ausschlaggebend für unsere Händler gewesen, hier ihre Unternehmen zu gründen und insgesamt Beschäftigung für 450 Menschen zu schaffen.

Die Frage lautet:"Ist dm nicht auch nur ein weiterer Großkonzern, der in die Halle kommt?!“Ja, dm ist ein großes Unternehmen, sogar Europas größter Drogeriemarkt. Die Philosophie von dm entspricht allerdings viel eher der unseren. Dazu gehört die Unterstützung fairer Produzenten, zahlreiche soziale Projekte, und das Engagement des Gründer Götz Werner für ein faires Miteinander und die Einführung des bedingungslosen Grundeinkommens (BGE). Wir haben mit Christiane von Roda von dm gesprochen, die für den DM Markt bei uns in der der Halle verantwortlich sein wird.


Vor allem ist die Entscheidung für dm aber eine Entscheidung für die vielen kleinen Gewerbe in der Halle und im Kiez! Wir sind überzeugt, dass durch das ergänzende Angebot von dm (Drogerie + Lebensmittel) zum Wochenmarkt unsere Händler*innen gestärkt werden.

Ein/e Anwohner*in behauptete: “Der Lidl in der Zeughofstraße soll auch bald schließen oder zumindest umgebaut werden!”Auf Nachfrage antwortete die Pressestelle Lidl Deutschland am 29.03.19: “Eine Schließung der Filiale ist nicht vorgesehen. Darüber hinaus bestehen aktuell auch keine Planungen zu einem Umbau.” Eine Anfrage in der BVV wurde vom Bauplanungsamt
ähnlich beantwortet.

Ein/e Kommentator*in sagte:"Die Belegschaft von ALDI ist Anwohnern vertraut wie im Tante Emma Laden, den Betreibern aber total egal! Nicht mal über die Kündigung wurden sie persönlich informiert!“Stimmt. Wir haben die Mitarbeiter nicht informiert. Das ist Sache des Arbeitgebers. Uns war wichtig, dass kein Mitarbeiter von Aldi gekündigt wird. Das wurde uns bestätigt. Und dm wiederum hat versichert, dass sie sich über Bewerbungen freuen, wenn jmd. von der ALDI Belegschaft gerne hier bleiben möchte.

Der Vorwurf lautet: “Die Anwohnerschaft wurde nicht über die Kündigung von ALDI informiert”Unser Konzept für die Halle sah von Anfang an eine Zukunft der Markthalle mit vielen kleinteiligen Unternehmen vor, die langfristig die Discounter ersetzen sollten – darüber gab es eine öffentliche Abstimmung, bei der auch alle Anwohner ein Mitspracherecht hatten.

Der Vorwurf lautet: “Wollt ihr die alte Nachbarschaft raustreiben aus dieser Markthalle? Bisher konnte man immer teils billig kaufen, teils bei den Händlern das richtig gute Futter. Das wäre nach Verschwinden von ADLI nicht mehr möglich! Die tolle Mischung macht den Charme der Halle teilweise aus!”Die Halle ist offen für alle. Wir haben mit dm vereinbart, dass es neben den Drogerieprodukten zudem ein erweitertes Sortiment an Nudeln, Reis, Dosentomaten, Mehl etc. geben könnte. Das wäre eine gute Erweiterung zu dem stehenden Marktangebot. In Kombination entstünde so ein noch besseres und breiteres Angebot in der Markthalle. Unser Ziel ist es so noch mehr Leute als jetzt für die Markthalle zu begeistern.

Ein/e Anwohner*in fragte: "Aldi hat rund 350 Bio-Produkte im Sortiment – kann dm das auch?“Der Geschäftsführer von dm, Sebastian Breyer sagt im Interview mit der Zeitschrift Lebensmittelpraxis in 2018 dm habe "etwa 1.200 Artikel – den Sortimentsbereich Babynahrung eingerechnet.“

Die Frage lautet: "Ihr sagt, ihr wollt eure Händler unterstützen, allerdings sind am Montag fast keine Stände geöffnet – wo soll ich dann einkaufen?"Im Vergleich zu den sehr geschäftigen Wochenendtagen in der Halle ist der Montag in der Tat sehr ruhig. Das liegt vor allem daran, dass insbesondere eine kleinteilige Händlerstruktur nur nachhaltig funktioniert, wenn vergleichsweise viel Kundschaft zum Einkaufen kommt. Der Grund sind die aufgrund des höheren Personalaufwandes im Vergleich mit Discountern hohen Kosten der kleineren Strukturen.


Zudem ist ein Sortiment von frischen Lebensmitteln auf einen relativ hohen Warenumschlag angewiesen, weil die Ware sonst schlecht wird. Bislang reicht die Kundschaft nicht aus, damit es sich für alle Stände lohnt jeden Tag zu öffnen. Damit sich das ändert nehmen wir die Sortimentsveränderung vor. Unser Ziel ist es, die Halle nachhaltig von Montag -Samstag zu beleben, damit man hier seinen gesamten Einkauf erledigen kann.

Der Vorwurf lautet: ""Die teuren Hallenstände profitieren doch nur vom Tourismus. Lasst dem Kiez daher bitte den ALDI!".Aldi für den Kiez und dm für die Touris?! Nein, das sehen wir anders. Gäste aus der ganzen Welt kaufen nicht bei dm und kaufen auch keine Karotten. Deswegen wollen wir ja das Sortiment durch den dm vielfältiger für die Menschen vor Ort machen. Umfragen zeigen, dass der Eindruck, die Markthalle hätte nur Touristen als Kunden, nicht wahr ist.

Die Frage ist: "ALDI ist der letzte soziale Raum in der Halle! Wo soll sich der Kiez nach dem Auszug von ALDI treffen?".Anders als Discountermärkte ist unsere Markthalle so konzipiert, dass vergleichsweise viel sozialer, d.h. öffentlich nutzbarer Raum vorhanden ist. Wir nutzen diesen Raum zum Aufstellen von Tischen und Bänken, bewirtschaften öffentliche Toiletten, einen Kinderspielplatz, eine Reparaturwerkstatt und kuratieren kulturelle Angebote. Es gibt verschiedene Bildungsangebote von Kinderkochen bis zum Wurstmachen-Workshop. Diverse Theaterproduktionen haben stattgefunden, politische Diskussionen, Buchvorstellungen und Lesungen.


Die Christen feiern Heiligabend, die Muslime Iftar, Aleviten Gagan, und Juden ein Nosh Wochenende. Mexikaner feiern Ihr Totenfest, Griechen zur Finanzkrise Ihre Kultur, Japaner das Reisfest. Geflüchtete arbeiten, kochen und essen gemeinsam hier oder bauen ihr eigenes Catering-Unternehmen auf. Daran wird sich nichts ändern wenn Aldi auszieht. Jeder ist eingeladen, sich mit Ideen zur Nutzung einzubringen (gerne an hallefueralle@markthalleneun.de). Viele der o.g. Nutzungen sind so entstanden.

Der Vorwurf lautet: “Es geht den Betreibern der Halle doch nur um Maximalprofit!“Betreiber der Markthalle ist die Markthalle Neun GmbH. Sie vermietet Flächen an 25 inhabergeführte Gewerbebetriebe, die fest in der Halle ansässig sind, sowie hunderte zusätzliche flexible Marktstandbetreiber*innen.


Wäre es uns um den Maximalprofit gegangen, hätten wir über Mietkonditionen mit ALDI verhandelt, wir haben aber eine konzeptionelle Entscheidung für dm getroffen. Durch den Einzug von dm und das ergänzende Angebot werden wir einen Impuls zur Stärkung des Wochenmarktes und auch für benachbarte Gewerbetreibenden geben.

Ein Frage lautet: "Ihr sagt, es geht euch darum, die einzelnen Händler zu unterstützen, ich habe aber gehört der Gemüsestand „Von Beet & Baum“ wird von euch selbst betrieben. Geht es am Ende doch nur um Profit für euch selbst?“Der Stand von Beet & Baum ist Teil der Markthalle Neun Plattform, die Produkte von einem großen Netzwerk regionaler Produzenten*innen nach Berlin holt und damit zahlreiche Restaurants und Cafés überall in Berlin beliefert. Von Anfang an war es unser Ziel, dass es in der Halle auch unter der Woche Obst- und Gemüse gibt – und das auch in Bio-Qualität.


Wir haben uns deshalb vor zwei Jahren entscheiden als Ergänzung zum Obst-und Gemüseanbau Kolkwitz aus Werder ein erweitertes Obst- und Gemüseangebot unter der Woche zu etablieren. Durch die im Vergleich zum Großhandel kleineren Struktur der Erzeugerplattform können regionale Bio-Produkte zum Teil kostengünstiger angeboten werden. Zusätzlich dazu gibt es tropisches Bio-Obst und Zitrusfrüchte, z.B. von Erzeugerkollektiven aus Süditalien, das sich viele auf dem Wochenmarkt gewünscht haben.

Der Vorwurf lautet: “In der Halle gibt es oft abgesperrte Event-Spektakel”.Richtig ist, dass die Themenmärkte, wie der Naschmarkt, Wurst & Bier oder das Berlin Coffee Festival, die 2019 an insgesamt sechs Sonntagen stattfinden, Eintritt kosten. Jedoch zahlen Nachbarinnen, Berlinpass-Besitzerinnen, Kinder und Jugendliche keinen Eintritt – weder in der Vergangenheit noch heute! Warum nehmen wir Eintritt? Weil wir die Arbeit der Beteiligten in unserem Team, aber auch unserer Kuratoren sehr schätzen. Sie stecken viel Energie und Herzblut in die Märkte. Und um einen solchen Arbeitsaufwand decken und unterstützen zu können, reichen unbezahlte Ehrenämter nicht aus, aus denen heraus – u.a. in Kooperation mit Slow Food – sich die Themenmärkte entwickelt haben.

Ein/e Anwohner*in fragte:"Wer sind Pamela Dorsch und Udo Tremmel?! Ich fordere Transparenz ein.“Pamela und Udo organisieren mit uns den “Berliner Naschmarkt”.

Ein/e Kommentator*in schreibt: "Nanu, Zeichnungen mit einer zusätzlichen Bebauung oberhalb der Markthalleneingänge?”
Richtig ist, dass es sich hier um eine Studie des Architekturbüros Hirschmüller, Schindele aus dem Jahre 2013 handelt, die Potenziale zur Raumerschliessung für Themen wie innerstädtische Lebensmittelproduktion, Urban Gardening, vertikale Gärten und alternative Energiegewinnung untersucht. Ein Auftrag oder Bauantrag wurde nicht gestellt.

Ein/e Kommentator*in fragte: "Wie passt dieses „exklusive Mastercard-Event“ eigentlich zu dem selbstformulierten Anspruch der Markthallen-Betreiber, eine regionale, nachhaltige, solidarische Ökonomie fördern und eine „Markthalle für alle, keine Eventlocation“ sein zu wollen?Richtig ist, dass die Zeitschriften tip Berlin und Zitty Berlin in Kooperation mit Mastercard in der ganzen Stadt sog. “kulinarische Spaziergänge durch die Kieze Berlins” anbietet. Das Angebot verspricht “1 Abend, 4 kulinarische Stationen & ungemein viel Spaß!” und kostet laut Veranstalterwebseite EUR 49,-.


Die Themen sind vielfältig und erkunden immer das kulinarische Angebot einer bestimmten Nachbarschaft. “Oh Du leckeres Kreuzberg” hat sich am Paul Lincke Ufer umgesehen, “Aromen am Maybachufer” in Kreuzkölln. Veranstalter ist die redaktionell unabhängige Zeitschrift tip Berlin. Wir freuen uns, dass wir als kulinarischer Ort in der Nachbarschaft von der Tip Redaktion ausgewählt wurden. Wir können diese Touren empfehlen, weil die Tip Journalist*innen viel Hintergrundwissen vermitteln und uns das Preis-/Leistungsverhältnis angemessen erscheint.


Hier könnt Ihr alle Kommentare und Briefe auf unserem schwarzen Brett nachlesen: