Die Kaffeewurzelbewegung

Don Quijote hat, wir wissen es, gegen Windmühlen gekämpft. Quijote Kaffee kämpft für guten, fairen Kaffee. Und für eine größtmögliche (Preis-)Transparenz, von der vor allem die profitieren, die guten Kaffee erst möglich machen: die Kaffeebauern vor Ort. Diese Haltung hat ihren Preis. So liegt der Preis, den die Hamburger für ihren Rohkaffee bezahlen, über dem Doppelten des auf dem Weltmarkt momentan üblichen Kurses von 3,13 Dollar für ein Kilo Rohkaffe . Auf dem Berlin Coffee Festival wird Unternehmensgründer Andreas Felsen genau über diese Verantwortung reden. Wir haben es jetzt schon mal getan.

Andreas, Du bist seit mehr als zwanzig Jahren im Kaffeebusiness. Vor sieben Jahren hast Du Quijote Kaffee gegründet, damals die erste deutsche Spezialitätenrösterei, die ihre Kosten absolut transparent gemacht hat. War das auch eine Konsequenz auf das Scheitern der Fair-Trade-Siegel?
Zunächst einmal finde ich fairen Handel, wenn er denn seriös und mit einem sozialen Anspruch betrieben wird, sehr sympathisch. Ich rede hier wohlgemerkt vom fairen Handel und nicht von irgendwelchen Fair-Trade-Siegeln , wie sie auf Verpackungen im Supermarkt kleben. Ich glaube auch, dass sich das ganz gut ergänzt mit einem engagierten Kaffeespezialitätenhandel, wie wir ihn betreiben. Es gibt da draußen ganz viele Orte, an denen einfach ein ordentlicher Kaffee ausgeschenkt werden soll. In den Kantinen, den Gasthöfen, überall. Wenn es dort überall Kaffee gäbe, der seinen Produzenten, also den Bauern vor Ort, zu Gute kommt, wäre mehr erreicht, als es jede Spezialitätenkaffee-Bewegung erreichen könnte.

Ist es denn umgekehrt so, dass dieser neuen Kaffee-Bewegung per se ein ethischer Anspruch unterstellt werden darf – Kaffeehandel auf Augenhöhe?
Das wäre ein schöner Umkehrschluss. Faktisch sehe ich da inzwischen gar keinen Zusammenhang mehr. Es ist also bei weitem nicht davon auszugehen, dass sich der versierte Barista oder Röster per se mit den Erträgen für die Kaffeebauern und Kooperativen beschäftigt. Und erst recht nicht mit dem Verdienst der Tagelöhner und Landarbeiter. Das Bewusstsein ist bei vielen da und es ist sicher auch ehrlich gemeint. In Berlin haben wir beispielsweise besonders viele Röstereien die einen guten Job machen. Aber alleine das Modewort Direktkaffee, für viele Röster heißt das: Ich habe meinen Rohkaffee direkt von meinem ... Importeur.

Was bleibt mir als gemeiner Kaffeetrinker, um mich für fairen Kaffee zu engagieren?
Tut mir leid, da gibt es keinen einfachen Weg. Man sollte den Röster oder den Barista einfach ganz direkt fragen: „Kannst Du mir transparent machen, wie viel der Bauer oder die Kooperative für den Kaffee bekommen hat? Inzwischen gibt es, etwa mit transparenttradecoffee.org, auch einige um eine solche Transparenz engagierte Internetseiten. Nur braucht es dazu eben auch ein Bewusstsein – letztlich bis hin zum Konsumenten.

Braucht es dazu auch teureren Kaffee?
Wenn man die obszön günstigen Preise der Supermärkte und Discounter nimmt – sicher. Beim Spezialitätenkaffee sieht das schon wieder anders aus. Unsere Bohnen kosten im halben Kilo zwölf Euro. Sie können auch gar nicht teurer sein, weil wir uns verpflichtet haben, immer gut 30 Prozent des Verkaufspreises an die Kaffeebauern vor Ort durchzureichen .