Das Universum in einer Nussschale

Jetzt gehen wir Euch auf die Nuss. Auf die Walnuss um genau zu sein. Und ganz genau ist es Vivian Böllersen , die Euch die Walnuss jeden Samstag auf unserem Wochenmarkt näher bringt. Als Nussfrucht und als kulinarische Geschichte, die eben auch eine Kulturgeschichte ist. Der Krieg, ja leider, spielt darin eine tragende Rolle. Im Krieg, zuletzt im Zweiten Weltkrieg, der auch in Deutschland zu einer Blüte der botanischen Walnussforschung führte, war diese Nuss populär. Die Frucht als energiespendendes Soldatenfutter, das Holz für die Gewehrschäfte. Weswegen nach dem Krieg kaum noch Walnussbäume übrig waren. Und auch keine Walnussforschung mehr. Die Land- und Gartenwirtschaft Böllersen gehört zu den Pionieren, die auch in Deutschland, und zwar im brandenburgischen Velten, wieder nach Sorten spezifizierte
Walnussbäume anpflanzen. Darunter auch junge Bäume, die sie aus Frankreich, Tschechien oder Ungarn importieren.
„Andere Länder sind viel weiter in der bei der Vermehrung von guten Sorten“, erklärt Vivian Böllersen und macht den Geschmackstest, „es gibt zum Beispiel Nüsse, die einen höheren Ölgehalt haben und deshalb prädestiniert sind für die Walnussölherstellung. Dafür sind sie aber unter Umständen zu klein oder zu schwer zu entkernen, um sie als Tafelnuss zu verzehren. Darin haben wiederum andere Sorten Ihre Stärken. Die eine kann eher kräftig nussig sein, die nächste süßlich oder vielleicht milder im Geschmack.“ Klar ist das noch ein langer Weg bis wir mal Nüsse kaufen, wie wir es heute mit Äpfeln und Kartoffeln tun, nach Sorten, nach Regionalität, nach dem Verwendungszweck. Wir freuen uns um so mehr, jeden Samstag einen Betrieb zu Gast zu haben, der sich, in Theorie und Praxis, wieder um eine einmal so zentrale deutsche Kulturpflanze sorgt. Und während die Walnussbäume in Velten wachsen, können in der Markthalle schon einmal unterschiedliche Walnusssorten gekostet werden. Immer
samstags auf dem Wochenmarkt – und das ganz und gar in friedlicher Mission.