Das lokalste Lokal Mecklenburgs

Wenzel Pankratz kocht auch nur mit ... Holz. Das war die eine Neuerung, als er vor gut einem Jahr, kaum 25-jährig, das ein paar Meter jenseits der brandenburgischen Grenze gelegene Forsthaus (110 Kilometer von Berlin) vom Vater übernommen hatte. Die andere war eine Küche, die es nun noch regionaler, nein, lokaler meint. Der Dammwildrücken (mit Zweierlei von der Roten Bete) kommt vom befreundeten Jäger, der rohe Aal auf dem schaumigen Kartoffelpüree aus der nahen Müritz, ansonsten kommt alles aus dem eigenen Garten, vom eigenen Acker, aus dem eigenen Stall: die selbstgeschlagene Butter, dazu luftige Buchteln, die uns intuitiv wünschen lassen, noch bis zum Frühstück zu bleiben (tatsächlich gibt es auch herrlich schlichte Gästezimmer, eines sogar mit einer Rosshaarmatratze, der besten Unterlage auf der ich je gelegen habe), die Leinsamenchips, mit denen der Abend so überzeugend wie unprätentiös begann.
Im Facil bei Michael Kempf hat Pankratz gelernt. Und danach in München bei Bobby Bräuer und in Graubünden bei Andreas Caminada gearbeitet. Das ist schon mal eine Ansage (noch mehr ist es eine Aussage). Aber es erfasst dennoch nicht annähernd das Erlebnis, dass der junge Koch da im allersüdlichsten Mecklenburg mit kleinsten Team kreiert. Wenzel Pankratz geht es nur nebenbei um eine Haute Cuisine (oder meinetwegen eine Nordic Cuisine). Und auch nur unter anderem um eine intellektuelle Küche. Ihm geht es ums Handwerk, um die Produkte, um das Gefühl, ganz bei sich (und beim Gast) zu sein. Ein Restaurant beginnt ja nicht mit dem Wareneinkauf, es beginnt mit dem Ausbringen der Saat – im Forsthaus Strelitz ist man dem sehr, sehr nahe gekommen. Ein konsequentes Konzept, nicht um der Konsequenz willen, sondern um des kulinarischen Menschenverstands. Bald, wenn uns der Frühling aus der Stadt zieht, möchten wir dieses Fortshaus draußen im Wald von Herzen empfehlen.
Vier Gänge für 42 Euro, jeder weitere Gang 8 Euro. Die fair kalkulierten Weine (Begleitung 5 Euro pro Glas) kommen vom Naturwein-Spezialisten Viniculture aus Charlottenburg. Wenn Pankratz sie nicht, wie etwa den herben, intensiven Quitten-Cidre, gleich selber macht.