Das ist Kunst, aber das darf weg

Es ist ein gern gemachter Fehler, Formen des Handwerks und seiner Perfektionierung, mit Kunst zu verwechseln. Das ist ungefähr so, als wären die Geräusche, die man so beim lustvollen Verspeisen eines brutal-lokalen Sternedinners macht, bereits Musik. Wieso wir auf diesen Vergleich kommen? Weil es Billy Wagner und Micha Schäfer vom Nobelhart & Schmutzig waren, die uns als erstes auf Kristiane Kegelmann aufmerksam gemacht haben. Und auf ihre, ja, Kunst, deren Unabdingbarkeit eine Patisserieausbildung in guten und besten Häusern ist. Unter anderem bei der, und die heißt noch immer so, K.u.K. Hofzuckerbäckerei Demel in Salzburg.
Kegelmann, 1990 in München geboren, wurde geprüfte Meisterin ihres Fachs – um dann dessen Konventionen zu sprengen. Sie arbeitet skulptural, dreidimensional. Sie malt, am Abend Ihrer Ateliereröffnung in der Danziger Straße 59 beinahe pollokesk, mit Kuvertüre. Sie entwickelt in ihren Arbeiten Gebäude, solche aus räumlichen Körpern, solche aus Gedanken. Nur, um diese Arbeiten dann dem Verzehr preiszugeben. Nach Birne, Hagebutte, Rote Bete, nach Schokolade natürlich und nach den Eiern und der Milch vom Lieferservice der Markthalle Neun – schmeckte die Eröffnungsskulptur im Atelier Kegelmann, das Ihr, nach telefonischer Anmeldung, gerne auch besuchen könnt. Das Aufessen, die Vergänglichkeit, ist Teil der Kegelmannschen Kunst. Ja mehr noch, es ist ihr konsequentester Moment.

Atelier Kegelmann
Danziger Straße 59, Prenzlauer Berg

Und weil die süssen Dinge des Lebens immer öfter auch sorgfältigen, grundproduktbasiertes Handwerk sind, sei an dieser Stelle bereits auf unseren Frühlingsnaschmarkt am Sonntag, den 2. April verwiesen. Wir vernaschen Euch in der Markthalle Neun, versprochen.