Brutalistisch-lokal

Unter dem Beton liegt das Beet. Wobei in diesem Fall auch ganz explizit über den Beton zu reden ist. Der listige Stadtraumavantgardist Arno Brandlhuber hat den Lobe Block gleich am Gesundbrunnen gestaltet. Und aufgeladen ist dieser brutalistisch schroffe und kühn gefaltete Neubau durchaus: Das Haus will Stadtlabor und urbanes Experiment sein, will Räume schaffen und Freiräume gewähren. Versuchsanordnungen, ob nun künstlerisch, gesellschaftlich, auch ökonomisch. Das im Lobe Block etwa auch ein junges Modeunternehmen sitzt, sorgte bereits für hitzige Gentrifizierungsdebatten. Und überhaupt: Sei ein explizit auffälliges Gebäude nicht schon ein akt der Aufwertung? Wir freuen uns auf das Projekt Lobe Block. Und freuen uns um so mehr, da im Erdgeschoss das naturnahe Baldon eingezogen ist. Und das verhält sich zur Ernährungswende wie der Lobe Block zu den Debatten um die enteignete Stadt: Das Baldon steht für eine achtsame, lokal-saisonale Küche, ohne daraus eine Attitüde zu machen. Oder ein Fine-Dining-Lokal. Es ist im besten Sinne niedrigschwellig, selbst noch am Donnerstagabend, dem derzeit einzigen Dinner-Abend der Woche. Das Vier-Gang-Menü (eigentlich sind es eher sieben Gänge) zum tischweisen Teilen für 40 Euro pro Person. Dass wir ganz unbedingt dieses Menü empfehlen, liegt an der aromatischen Klammer, zu der Gastgeberin Caecilia Baldszus jeweils zwei oder drei Teller vereint. Da die roh marinierte Makrele und eine Auswahl fermentierter Kohlgemüse. Ätherisch, japanophil und überraschend frisch. Dort die gereifte Rinderhochrippe, die wunderbar mit den getrüffelten Kartoffeln und dem forsch verkohlten Spitzkohlgang (mit Walnuss und Granatapfel) harmoniert. Harmonisch trifft es überhaupt, diese Atmosphäre jenseits ausgetrampelter kulinarischer Pfade dieser Stadt. Sei nun noch
erwähnt, dass unter der Woche die gleiche Küche in kleinen Portionen und mit demselben Engagement aufgetischt wird. Und dass vieles davon von Produzenten unseres Markthallen Netzwerks kommt. Weil ja Wurst & Bier ist, seien noch einmal Motel Beer erwähnt, genauso der Fermentationshandwerker Markus Shimizu und die Röstungen vom Kaffee 9 .