Brutal-lokale Blütezeit

Sagen wir es ruhig mal durch die Blume: Wir von der Markthalle Neun mögen es bekanntermaßen ja regional, gerne gar from farm to table . Woher aber der Blumenstrauß kommt, der den Küchentisch mit dem Abendbrot so herrlich ziert? Christoph vom Blumenstand in unserer Halle ist Florist geworden, weil ihm die Vorstellung gefiel, genauso auch Blumenbauer zu sein. Anlässlich unseres Flower Breakfast Market am kommenden Sonntag ein Gespräch über märkischen Sand, bio-zertifizierte Chrysanthemen und eine brutal-lokale Blütezeit.

Eine Gärtnerei baut ihre eigenen Produkte an. War das nicht einmal üblich?
Das war es, die Endverkaufsgärtnerei ist da der Fachbegriff. Aber das ist ein Geschäftsmodell, das momentan sehr unter Druck steht und das faktisch verschwindet. Hier in Berlin-Brandenburg gibt es sie so gut wie gar nicht mehr.

Als Ihr mit Eurem Blumenstand angefangen habt, habt Ihr Euch aber für genau diesen Weg entschieden.
Das war so unsere Idee, genau. Wir haben bei Kloster Zinna , eine Stunde mit dem Auto von hier, ein Stück Land, wo wir auf gut 10000 Quadratmetern Kräuter und eben Topf- und Schnittblumen anbauen. Ich wollte als Gärtner nicht bloß Wiederverkäufer sein.

Sprechen wir da, wie beim Obst und Gemüse auch, von regionaltypischen Sorten?
Gute Frage. Regionaltypisch ist zumindest der Brandenburger Sandboden, der ist für Blumen eigentlich optimal. Blumen brauchen eine gute Drainage, die wollen keine nassen Füsse. Aber Du musst natürlich in so einen nährstoffarmen Boden reinbuttern, Komposterde vor allem, aber auch organischen Dünger.

Wie viel Prozent Eures Angebots könnt Ihr aus eigener Ernte bestreiten?
Das ist wie alles, das sich in der Natur abspielt saisonabhängig. Im Winter ist es schlicht nichts, da kaufen wir zu, im Frühsommer können wir schon mal bis zu 90 Prozent aus dem eigenen Anbau bestreiten. Aber das hängt natürlich auch damit zusammen, die Kunden für solche Zusammenhänge zu sensibilisieren. Wir haben nicht alles am Stand, was der Blumengroßmarkt so zu bieten hätte und wollen das auch gar nicht.

Also kaufen wir auch unseren Blumenstrauß künftig bio?
Ich könnte meine eigenen Blumen so ausweisen, ich bin ein zertifizierter Betrieb. Aber meine Erfahrung ist: Die Leute denken dann doch nur, bio bedeutet teuer. Bei den Kräuterpflanzen mache ich das, aber Blumen werden ja im Allgemeinen noch nicht so häufig gegessen.