Biodynamisch, seit 1928

Dass diese Marienhöhe, kurz vor Bad Saarow , eine Kulturlandschaft sei, das ist Katharina Goldammer wichtig. Dabei wollen die Leute doch immer Natur. Also die Leute, die überhaupt noch Natur wollen. Und mit just solchen hat das Hofprojekt Marienhöhe einmal angefangen. 1928. Vom ältesten rein biodynamisch bewirtschafteten Bauernhof Deutschlands ist deshalb manchmal die Rede. Rudolf Steiner war wichtig. Und vor allem Erhard Bartsch , der die Marienhöhe damals ins Leben gerufen hatte. Oder vielmehr: aus der Landschaft geschält. Es war noch gar nicht so lange her, dass das bäuerliche Handwerk zunehmend rationalisiert, industrialisiert und um allerlei synthetische Helferlein „bereichert“ worden war. Nun war da einer, der
wollte es radikal anders machen. Die Marienhöhe wurde zum ersten demeter -Betrieb, dessen Gründungsmitglied – und Herausgeber der monatlichen Zeitschrift – Erhard Bartsch war.
Ein Demeterbetrieb ist das ehemalige Vorwerk des Rittergutes Bad Saarow noch immer. Wobei auf diesem sandigen Bergrücken in Brandenburg eigentlich gar nichts wachsen dürfte. Tut es aber doch. Karotten, Gerste und das Gras der Weiden, auf denen die Kühe wiederkäuen. Kühe, also Milch, also Käse. Der Quark von der Marienhöhe jedenfalls ist in einem sehr, sehr weiten Umkreis von Berlin die beste Grundbedingung um einen gescheiten Käsekuchen zu backen. Die eigene Käserei übrigens kam mit der Wiedervereinigung auf den Hof. Die Molkerei in Beeskow war von der Treuhand abgewickelt worden. Katharina Goldammer, schon damals die Leiterein des Betriebs, käste fortan selbst. Ohne eine spezifische Ausbildung. Aber mit viel Wissenshunger und Ausdauer.
Für diese Geschichte, für diese beiden Geschichten wird die Marienhöhe anlässlich der Cheese Berlin am kommenden Sonntag mit dem Ehrenpreis Fenster zum Hof ausgezeichnet. Ein Betrieb, der einmal der erste war, darf also der erste sein, der mit dieser Auszeichnung für handwerklich-bäuerliche Pionierleistungen gewürdigt wird. Die Initiatorin des Preises, Ursula Heinzelmann , überreicht ihn Katharina Goldammer im Rahmen des Get-together der Käser, Affineure und Aktiven am Samstagabend des Cheese Berlin-Wochenende. Am Sonntag, auf dem Großen Markt, wird der Preisträger-Betrieb dann in einem ganz besonderen Rahmen präsent sein. Es öffnet sich das Fenster zum Hof Marienhöhe. Ein Heinzelcheese-Team von Freiwilligen hat über Monate hinweg erstaunliche Kräfte gebündelt und die Einzigartigkeit dieses Betriebs in die Markthalle Neun übertragen: mitten in Kreuzberg wird man Hof Marienhöhe sehen, hören, riechen und schmecken können.